F4 Schwaigern

F4 Schwaigern

Mark Bühner - Verraten! | Der wahre Jesus (Teil 4 von 5)

Mark Bühner erläutert die Beziehung zwischen Jesus und Judas, thematisiert Judas' Enttäuschung und die Reaktionen nach dem Verrat, und betont die Bedeutung von Schuldanerkennung und Gnade im Vergleich zu Petrus.

07.04.2026 23 min F4 Schwaigern, Mark Bühner

Video zur Episode

;

Zusammenfassung & Show Notes

Verraten! - Der wahre Jesus
 

In dieser Predigt von Mark Bühner wird das Verhältnis zwischen Jesus und Judas Iskariot eingehend beleuchtet. Bühner beschreibt die erbarmungslose Spannung, die in der Luft liegt, als Judas seinen Verrat plant und die Jünger mit Unglauben auf die bevorstehenden Ereignisse reagieren (vgl. Visualisierung aus The Chosen). Besonders der Moment des Verrats wird thematisiert, in dem Judas, der drei Jahre lang Jesus treu gefolgt ist, sich daran macht, seinen Meister zu verraten. Bühner spricht von der Gänsehaut-Momente und der schmerzlichen Einsamkeit, die Jesus in diesen entscheidenden Stunden empfindet, während er um seine Jünger kämpft, die selbst in den wichtigsten Momenten einschlafen.

Bühner führt die Zuhörer durch die Emotionen und die Enttäuschungen der Jünger sowie durch Judas’ veränderte Erwartungen an Jesus, die zu seinem Verrat führten. Er schildert die hohe Messlatte der politischen Erwartungen, die Judas und die anderen Jünger an Jesus stellten, und wie diese Erwartungen durch die Realität der Dinge zerplatzen. Anstatt den erwarteten politischen Messias zu zeigen, der die Römer vertreiben würde, präsentiert sich Jesus als dienender Führer, der sogar die Füße seiner Jünger wäscht.

Ein zentrales Thema ist der Enttäuschungsprozess Judas’. Der Prediger verdeutlicht, dass Judas nicht einfach ein bösartiger Verräter war, sondern ein Mensch wie wir alle, dessen Schwächen ans Licht kommen, als seine hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Bühner fragt, ob wir nicht alle Gefahr laufen, Gott auf unsere eigenen Vorstellungen zu reduzieren und wie schnell wir uns möglicherweise in einer ähnlichen Situation wiederfinden können, wie Judas.

Die Reflexion über Schuld spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. Bühner vergleicht die Reaktionen von Judas und Petrus nach ihrem Verrat. Während Judas in Verzweiflung seinem Leben ein Ende setzt, sucht Petrus Vergebung bei Jesus und erkennt seine Fehler an. So redet der Prediger von der Notwendigkeit, die eigene Schuld zu Jesus zu bringen, anstatt sie zu verdrängen oder allein zu tragen. Diese Anerkennung ist der Schlüssel zur Vergebung und Heilung, die Jesus bieten kann.

Abschließend appelliert Bühner an die Zuhörer, ihre eigenen Erwartungen und die Notwendigkeit der Gnade zu überdenken. Er betont, dass Glauben nicht bedeutet, perfekt zu sein, sondern anzuerkennen, wie sehr wir Jesus brauchen. Die Predigt schließt mit einem Aufruf zur Reflexion über Schuld und dem Angebot, diese an Jesus abzugeben, anstatt sie allein zu tragen. Diese Botschaft, dass Jesus das Opfer ist, das unsere Schuld trägt, zieht sich durch die ganze Ansprache hindurch.

Mark Bühner

Ist die Folge nicht schnell genug online, oder möchtest du gerne mal das Gesamtprogramm live erleben? Dann komm doch gerne direkt ins F4:

Liebenzeller Gemeinschaft und EC-Jugendarbeit Schwaigern e. V.
Falltorstr. 4
74193 Schwaigern

Du hast Fragen oder möchtest weitere Informationen, dann melde dich!

Gemeinschaftspastor Mark Bühner
Tel. 07138 236 9645
Mobil: 0157 3723 4570
mark.buehner@lgv.org

Jugendpastor Johannes „John“ Götz
Tel. 07138 8145234
Mobil: 015115579068
johannes.goetz@lgv.org

Vorsitzende Sonja Bay
Mobil: 0174/9665002
sonja.bay@lgv-schwaigern.de

Oder informiere die auf unserer Homepage:
https://www.lgv-schwaigern.de

Weitere Fragen, Anregungen oder Ideen gerne an:
podcast@lgv-schwaigern.de

Willst du unsere Arbeit unterstützen, dann kannst du hier spenden:
Spenden (lgv.org)

Intro und Outro: Sarah Reinwald
Produziert: F4 Podcast Team

Weitere Links:

YouTube: F4 Schwaigern - YouTube
Website: Schwaigern
Facebook: (19) Facebook
Instagram EC: Instagram
Linktree EC: Linktree
Veranstaltungsübersicht: Kalenderübersicht

Transkript

Speaker0
00:00:19
Da liegt Spannung in der Luft. So einen Gänsehaut-Moment, wenn man versucht, das irgendwie nachzuempfinden. Habt ihr die Augen der Jünger gesehen? In diesem Moment passungslos.
Speaker1
00:00:34
Können sie überhaupt nicht glauben.
Speaker0
00:00:36
Judas war drei Jahre lang ununterbrochen an ihrer Seite. Und die haben gemeinsam so viele Dinge erlebt, die sie zusammengeschweißt haben. Weiß nicht, ob du, ob ihr Freunde habt, wo ihr denkt, mit dem bin ich durch dick und dünn gegangen, das hält fest. Und dann kommt dieser hinterhältige Verrat in der Nacht zum Karfreitag. Und ich finde es so krass, weil Jesus ist ja der Einzige in dieser ganzen Szene, der schon die ganze Zeit weiß, was ihm bevorsteht. Der schon vorher wusste, es wird zu diesem Verrat kommen. der schon vorher wusste, was dann dieser ganze Tag mit Prozess bis zum Kreuz alles sein wird.
Speaker1
00:01:22
Wer die Texte in der Bibel liest,
Speaker0
00:01:24
Wochenlang hat er versucht, seine Jünger darauf vorzubereiten, offensichtlich ohne Erfolg. Die checken gar nichts. Ausgerechnet in diesen schweren Stunden, wo Jesus leidet, wo es ihm so schwerfällt, wo er offensichtlich Angst hat vor dem, was kommt und er sie explizit auffordert, Bleibt wach und betet. Schlafen sie ein. Zum wiederholten Mal. Das bedeutet, Jesus ist in diesem Moment mit seiner schrecklichen Angst völlig auf sich allein gestellt. Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Steht auf, lasst uns gehen. Siehe, der Verräter ist gekommen. Wie viel Schmerzen, wie viel Leidensdruck, wie viel Traurigkeit muss Jesus in diesem Moment empfinden? Er geht genau diesen Weg auf den Verrat zu. Haut nicht ab, obwohl er weiß, was kommt.
Speaker1
00:02:19
Und ich habe mir gedacht,
Speaker0
00:02:20
Ich könnte mir gut vorstellen, die Jünger, die hier mit dabei waren, die werden sich noch Jahre später immer wieder diese Szenen durch den Kopf haben gehen lassen und haben sich überlegt, was war das eigentlich? Wie konnte das passieren? Und wie konnte es sein, dass Judas sich zu so einem Verrat hat hinreißen lassen? Jemand, der so nah mit Jesus unterwegs war die ganze Zeit, wie man es nur sein kann, der mit ihm im gleichen Zimmer schläft und sieht, wie Jesus sich rasiert, der die Predigten von Jesus hört, der seine Wunder erlebt und der trotz all dieser Erlebnisse ihn verrät. Judas. Wieso? Für die unter euch, die letzten Sonntag hier waren, da war noch Palmsonntag. im Sonntag. Ganz andere Stimmung. Da hat Jonathan uns wunderbar vor Augen geführt, was für Erwartungen die Leute hatten an diesen Jesus.
Speaker1
00:03:11
Der da kommt.
Speaker0
00:03:12
Die meisten Juden sind davon ausgegangen, also jetzt ein Wunder nach dem nächsten. Schau mal, was für eine Prophezeiung der noch alles erfüllt und spätestens seit der Auferweckung von Lazarus, wir haben es behandelt, und dann nach diesem gefeierten Einzug mit Palmwedeln und alles in Jerusalem es ist offensichtlich, Nämlich, Jesus muss es sein. Jesus ist der eine, der lang ersehnte, von den Propheten angekündigte Retter, auf den die schon seit Generationen warten. Das ist die große Erwartung. Und es bedeutet, Jesus wird jetzt kommen, er wird die Römer vertreiben, er wird sich selbst eine Krone aufsetzen, er wird sich zum König von Israel erheben. Das sind die Erwartungen. Und jetzt denkt mal einen Schritt weiter. Was braucht so ein König? Natürlich Beamte, die mit ihm dieses schöne, große Friedensreich regieren und verwalten. Deswegen gibt es zum Beispiel auch diese faszinierende Geschichte, wo die Jünger sich mal drüber streiten. Jesus, wer von uns darf in diesem neuen Reich, das du immer verkündigst, das wird anbrechen, wer von uns darf eigentlich der Größte und der Einflussreichste sein? Also wenn du regierst, wer sitzt links, wer sitzt rechts? Was für einen Job haben wir da eigentlich? Die hatten sehr konkret praktische Erwartungen, was das für sie bedeutet, Dass dieses Reich jetzt anbricht, das wird bei Judas nicht anders gewesen sein. Auch Judas erwartet von Jesus garantiert eine politische Revolution, die alles umwälzt.
Speaker1
00:04:41
Und für sich selbst,
Speaker0
00:04:42
Als treuen Jünger der ersten Stunde, der von Anfang an dabei war, verspricht er sich wahrscheinlich Macht, Einfluss, vielleicht auch eine Art finanzielle Belohnung oder so. Also so ein Reich funktioniert ja auch nicht ohne Geld. Und dann lässt Jesus all diese Träume einen nach dem anderen zerplatzen. Anstatt sich politisch, strategisch zu vernetzen mit denen, die irgendwie Macht und Einfluss haben, macht Jesus sich Feinde, wohin er auch geht. Anstatt den Tempelkult wieder groß aufleben zu lassen, die Prophezeiung hat eigentlich gesagt, dann wird alles gereinigt werden, dann wird alles wieder gut. Stattdessen kommt er da hin und legt sich genau mit denen an, die die Tempelanlage führen und schmeißt die Händler raus. Anstatt, dass er von Sieg und Herrschaft redet, davor ging es immer viel um das Reich, was anbrechen wird und so. Anstatt, dass er vom Sieg redet, redet er auf einmal von seinem bevorstehenden Tod, von Leiden und dass der Menschensohn, dass er selber viel erleiden wird und so. Und anstatt seinen Machtanspruch, ich bin doch König, durchzusetzen, degradiert Jesus sich selbst zum Diener, der seinen eigenen Jüngern sogar die Füße wäscht.
Speaker1
00:05:59
Wie erniedrigend für den König.
Speaker0
00:06:02
Ich behaupte, das ist so gar nicht, wie Judas sich seine eigene Zukunft im Gefolge dieses Messias vorgestellt hat. Und ich glaube, genau das ist zumindest ein Teil des Problems. Enttäuschte Erwartungen. Wenn man sich Judas so ein bisschen anschaut, das war ganz offensichtlich ein religiös engagierter Mann. Ja, also der saß auch im Gottesdienst. Genau wie die anderen Jünger hat der alles zurückgelassen, um zu zeigen, Jesus, du stehst bei mir ganz vorne, ich folge dir nach. Er hat unter anderem auch im Namen von Jesus gepredigt. Da gibt es so ein paar Stellen, wo Jesus die Jünger aussendet und er ihnen sogar Macht gibt, Wunder zu tun. Judas ist dabei. Also der erlebt sogar, wie Jesus ihm die Kraft gibt, verrückte Sachen zu machen. Judas hat fleißig bei allem mitgemacht, was Jesus ihm aufgetragen hat. Und garantiert hat er auch ganz vieles von dem, was Jesus gesagt hat, er hört ja die ganzen Predigten, auch verstanden. Garantiert hat Judas vieles von dem, was Jesus gesagt hat, geglaubt, sonst wäre er doch da nicht nachgefolgt. Wir denken immer, Judas, das war halt einfach ein Sack. Das Schockierende ist aber, dass nicht, dass Judas durch und durch böse gewesen wäre, sondern dass Judas nach allem, was man so sieht, ein religiöser Typ war, dass er so religiös war. Niemand auch von den Jüngern hätte über Judas gedacht, oh, vor dem hältst du mal Abstand. Achtung, Jesus, willst du wirklich den in deinem Kreis haben? Der ist gefährlich. Weil Judas hat nach außen hin ausgesehen wie ein vorbildlicher Jünger. Was ist dann das Problem hier? In Wahrheit ist Judas Jesus nicht gefolgt, um ihm zu dienen, um ihn an die erste Stelle zu stellen, sondern weil er konkrete Erwartungen hatte, weil er was bekommen wollte. Die Motivation seines Glaubens und seiner Nachfolge war nicht, ich liebe dich, Jesus, sondern seine eigenen Wünsche, seine eigenen Interessen, das, wie er sich das ausgemalt hat. Und ich habe mir gedacht, auf einmal ist dieser Judas gar nicht mehr so weit von dir und mir vielleicht entfernt von uns heute. Also Judas, stehen nicht auch wir in dieser Gefahr, Gott ganz schnell auf unsere Vorstellungen, auf unsere Wünsche fürs Leben zu reduzieren? Und sobald Gott sich nicht an diesem einseitigen Deal hält, rege ich mich auf. Sobald der große, souveräne, allmächtige Gott nicht das macht, was wir kleine Popelmenschen von ihm erwartet hätten, werden wir auf einmal stinkig, beschweren uns bei ihm, reagieren eingeschnappt. Herr Jesus, was fällt dir ein? Ich habe gedacht, so müsstest du sein. Ich kenne einen Haufen Menschen, teilweise auch alte Freunde von mir, die waren mal super gut im Glauben dabei und die haben ihren Glauben an Jesus irgendwann komplett, Teilweise Schritt für Schritt, teilweise Schlag auf Schlag über Bord geworfen. Und die Gründe waren immer ähnlich. Weil dieser Gott meine Gebete nicht so erhört, wie ich mir das vorgestellt habe. Weil er Dinge in meinem Leben hat geschehen lassen, auf die ich keine Lust hatte. Weil er mir Dinge, vielleicht auch schwere Sachen, zugemutet hat, wo ich dachte, das darf er nicht. Wenn der mich liebt, dann muss der sich doch so verhalten, dass sich das für mich angenehm anfühlt. Solche Sachen. Wenn ich Dinge nicht nachvollziehen kann, die Jesus tut, stehe ich schnell in der Gefahr, zum Judas zu werden. Und ich habe mir gedacht, ich glaube, diese Frage ist super relevant, auch für uns heute. Wollen wir einen Gott, der unseren Vorstellungen oder unseren Wünschen entspricht? Willst du einen Gott, der dich in deinen Plänen bestätigt, der dich segnet auf dem Weg, den du dir überlegt hast? Oder ist das okay für dich, wenn der wahre Jesus, so heißt diese Predigtreihe, der wahre Jesus anders ist?
Speaker1
00:09:58
Wenn er dir aufzeigt,
Speaker0
00:10:00
Du, da hast du vielleicht ein ganz falsches Bild von mir. Jesus hatte nie vor, sich unseren Wünschen, unseren Zielen anzupassen, als wären wir der eigentliche King. Sondern eigentlich funktioniert das mit dem Glauben genau andersrum. Jesus will dir und mir die Augen öffnen über das, wer er ist. Er will, dass du ihm nicht deshalb folgst, weil du dir einen persönlichen Vorteil davon versprichst. Dann werde ich nicht krank, dann wird alles Segen sein. Sondern weil du glaubst, dass er allein es wert ist. Dass er die Wahrheit ist. Weg, Wahrheit, Leben, sagt Jesus selber. Die entscheidende Frage ist doch, warum glaubst du? Also solltest du von dir behaupten, du glaubst, warum? Kannst du mal drüber nachdenken. Ist Jesus für dich ein Mittel zum Glück? Den brauche ich halt, damit das Leben gelingt. Oder ist er dein Glück, dein Ziel, dein Sinn? Judas Iskariot zeigt uns, dass es sehr wohl möglich ist, Jesus scheinbar zu folgen, irgendwie mitzumachen bei allem, während wir in Wirklichkeit bloß versuchen.
Speaker1
00:11:07
Jesus zu benutzen und dazu zu kriegen,
Speaker0
00:11:10
Was zu tun, was wir wollen. Echter Glaube heißt, ich vertraue diesem Mann am Kreuz. Ich glaube, er ist gut und er hat Recht mit dem, was er will. Echter Glaube beginnt dort, wo Jesus nicht mehr mein Mittel zum Zweck ist.
Speaker1
00:11:25
Sondern das Ziel selbst.
Speaker0
00:11:27
Ist manchmal gar nicht so einfach. Beginnt dort, wo Jesus deine und meine falschen Erwartungen, die wir an ihn haben, über den Haufen werfen darf. Und wir trotzdem sagen, du bist mein Herr und König. Du darfst das. Du bist der, um den es geht und nicht ich. Jetzt zeigen uns die Berichte der Bibel relativ deutlich, dass der Verrat von Judas nicht spontan war. Der ist nicht in dieser Nacht dagestanden und hat sich überlegt, was mache ich heute? jetzt bin ich sauer, jetzt verrate ich Jesus, sondern der hat es bis ins Detail geplant gehabt. Schon im Vorfeld. Der Ort war verabredet, wo es passieren soll. Die Zeit, wann er mit diesen Soldaten und den Tempeldienern kommt. Der verräterische Kuss, das Zeichen war abgesprochen. Und natürlich auch diese 30 Silberlinge, die da als Bezahlung ihm schon gegeben wurden. Das bedeutet, Judas hat ganz bewusst das Böse gewählt. Das war eine Entscheidung, die er getroffen hat. Obwohl er so nah an Jesus dran war, obwohl er die Zeichen und Wunder persönlich miterlebt hat.
Speaker1
00:12:34
Hat ihn das nicht davor geschützt,
Speaker0
00:12:36
Davor gefeit, dass er moralisch so tief sinken kann, seinen eigenen Freund ans Messer zu liefern.
Speaker1
00:12:43
Und ich habe mir gedacht,
Speaker0
00:12:44
Wenn das Judas passieren kann. Ich war keine drei Jahre mit Jesus so eng unterwegs. Wenn das einem so hingegebenen Jünger aus dem engsten Kreis herum passieren kann, dass er so tief fällt und zum Verräter wird. Was macht mich glauben, dass das bei mir nicht genauso passieren kann? Ich behaupte, Judas ist nicht ein verabscheuungswürdiges, bösartiges Monster, sondern er ist ein Mensch.
Speaker1
00:13:09
So wie du und ich.
Speaker0
00:13:10
Und er ist gewissermaßen ein Spiegel für das, was uns allen als Herausforderung im Leben immer wieder begegnet, nämlich unsere eigene menschliche Schwachheit. Wir alle haben diese Fehlbarkeit in uns, diesen Drang zum Mist. Es gibt nicht einfach die Guten und die Bösen. Manchmal denkt man das ja, ich bin regelmäßig im Gottesdienst, also bin ich gut. Und dann die da draußen. Gibt es nicht. Sondern es gibt nur den Menschen. Buchstäblich jeder von uns hat das Potenzial zum Judas zu werden. Denn wir sind alle genauso schwach und versuchlich, wie er es war.
Speaker1
00:13:51
Und jetzt weiß ich nicht, wie du da
Speaker0
00:13:52
Innerlich darauf reagierst. Der eine denkt vielleicht, ja, stimmt. Und der andere denkt, das lasse ich mir auch nicht sagen, oder? Also Judas, ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ich hätte Jesus niemals verraten, oder? Also das, was Judas gemacht hat, hätten wir nicht gemacht. Solltest du so oder so ähnlich denken, dann bist du insofern in guter Gesellschaft, dass genau diesen Satz ja auch ein anderer Jünger gesagt hat, nämlich der Petrus. Jesus, selbst wenn ich dafür sterben müsste, das wäre es mir wert, ich würde dich niemals verraten. Und auch die anderen Jünger haben so ähnlich geredet. Und doch ist genau das nur wenige Stunden später passiert. Jetzt sind wir am Karfreitag. Während Jesus drinnen blutig zusammengeschlagen wird, verlacht wird, angespuckt wird, steht Petrus draußen. Und er behauptet so überzeugend, wie er nur kann, mit leichtem Zittern. Ich kenne diesen Jesus gar nicht. Die nächste Anfrage und wieder. Ab der dritten bedrohlichen Nachfrage steht im Text, fängt er an, das zu beteuern, indem er flucht und Schwüre raushaut. Indem er schwört. Also allem, was mir heilt, ich kenne Jesus nicht. Wie viel deutlicher kann man es noch sagen? Wie viel tiefer kann man noch singen? Und als dann der Hahn dreimal schreit, weiß Petrus ganz genau, ich, der ich mich für so stark gehalten habe. oder ich mich so geärgert habe über den Judas, der ich mich für so treu gehalten habe, mir kann das nicht passieren, ich bin genau wie Judas. Ich bin ein kleiner, mieser Verräter. Ich wollte das nie, aber das bin ich.
Speaker1
00:15:34
Was ist denn der Unterschied?
Speaker0
00:15:36
Das Verhalten von Judas mag vielleicht rein äußerlich schlimmere Folgen gehabt haben. Ist richtig, dass der Petrus ihn draußen verleugnet, führt ihn ja nicht ans Kreuz. Vom eigentlichen Verrat her ist es kein Unterschied. Verleugnen sie beide Jesus bis ins Letzte. Von ihrer Situation her eigentlich auch. Beide sind sie Jünger aus diesem ersten engsten Kreis. Solche, die es eigentlich aus Erfahrung besser wissen müssten. Und beide verraten sie Jesus auf das Schlimmste. Der Unterschied zwischen Judas und Petrus besteht nicht in der Größe ihrer Schuld. Er besteht auch nicht darin, dass dem einen nachher leidtun würde und dem anderen nicht. Sondern wer diese Texte weiterliest, beide fangen an zu weinen, fangen an zu bereuen, die begreifen, das war Mist. Beide tun sie das. Der Unterschied besteht darin, wie sie mit dieser ihrer Schuld umgehen. Und damit sind wir am Zentrum von Karfreitag. Während Judas in seiner Verzweiflung steht im Text, Selbstmord begeht, also der wirft denen diese 30 Silberstücke dahin, die sagen, mit dir haben wir nichts zu schaffen, das ist doch dein Problem, dass du jetzt erkannt hast, das war ein Fehler. Und in seiner Verzweiflung geht er hin und er hängt sich. Während Judas seine Schuld in den Selbstmord treibt, bringt Petrus seine Schuld, ein bisschen später, zu Jesus. Und ihm wird vergeben. Ist dir klar, dass bis heute das die zwei Optionen sind, die wir Menschen haben? Die Bibel sagt deutlich an Gott, schuldig geworden, zum Verräter geworden sind wir alle. Die Frage ist nicht, brauchst du Jesus oder bist du schlimm? Sondern die Frage ist, wohin gehst du mit deiner Schuld? Gehörst du zu denen, die meinen, Schuld muss man selber tragen, ich habe es auch selber verbockt. Dann wirst du früher oder später an deiner eigenen Schuld zerbrechen. Denn du kannst sie nicht tragen. Zerbrechen in diesem Leben oder im nächsten. Das ist die Wahl, die Judas für sich getroffen hat. Und wo Jesus selber sagt, es wäre besser gewesen, du wärst nicht geboren. Das ist so schlimm, das Ende. Die einzige Alternative besteht darin, so wie Petrus, zu Jesus zu gehen. Die Last deiner Schuld, Kreuz abzugeben und sie für dich tragen zu lassen.
Speaker1
00:18:05
Die Bibel sagt sehr deutlich,
Speaker0
00:18:07
Es gibt keinen dritten Weg, es gibt keine neue Alternative. Nur diese zwei, wie Judas oder wie Petrus. Du kannst deine Schuld nicht wegignorieren, zumindest nicht auf Dauer. Du kannst sie nicht verdrängen und du kannst sie auch nicht alleine lösen, dass sie dann weggehen würde. Egal wie sehr du es versuchst, Schuld alleine zu tragen endet immer in Verzweiflung. Und das Spannende ist ja, das gilt nicht nur für, ich bin noch kein Christ, ich komme zum Kreuz, ich werde Christ, sondern das gilt für dich und mich, auch wenn du schon lange gläubig bist, immer wieder neu. Wir werden schuldig. Und die Frage ist, wissen wir, zu wem wir gehen damit? Wer uns errettet hat? Wer uns die Schuld wegnimmt? Oder wollen wir lieber drüber leiden? Drüber verzweifeln? Drüber draufgehen? Ich kenne auch einen Haufen sehr gläubige Menschen, die das eigentlich wissen. Und die doch immer wieder, wenn sie feststellen, Mist, ich bin ja doch nicht so gut, wie ich dachte. Habe schon wieder versagt. Mit dieser Schuld nur in die Verzweiflung kommen. Nur in die Not. Dann hat Gott mich nicht mehr liebt. dann kann ich nicht, anstatt zu sagen, ich werde daran zerbrechen, ich muss damit zu Jesus zum Kreuz. Jesus sagt selber, das ist der Grund, warum er auf diese Welt gekommen ist, nicht um uns für unsere Schuld zu richten, sondern um deine und meine Schuld, die zum Himmel schreit, zu begleichen. Und deswegen nochmal, die Frage ist nicht, ob du schuldig bist, sondern ob du mit deiner Schuld zu Jesus kommst oder nicht. Du bist heute hier und hast gleich ein bisschen Zeit, darüber zu reflektieren. Wo ist denn Schuld in meinem Leben? Wo bin ich Gott gegenüber schuldig geworden, anderen Menschen gegenüber schuldig geworden? Hey, wir wollen nachher Abendmahl feiern. Das hat auch ganz viel damit zu tun. Wohin will ich gehen mit dieser Schuld? Kenne ich den, der sie mir abnimmt? Gottes Angebot steht und was jeder von uns draus macht, liegt ganz bei uns. Amen. Wir haben jetzt eine kurze Zeit, wo es genau darum gehen soll. Geht in euch, betet, wenn ihr wollt und überlegt, wollt ihr was bei Gott abgeben oder wollt ihr es behalten? Und dann bete ich von hier vorne. Geliebter Jesus, habt ihr von Herzen Dank für das Kreuz. Wir haben es vorher gesungen, danke für das Kreuz, danke für das Kreuz. Karfreitag ist kein Nebenereignis, sondern das Zentrum deines großen Plans mit dieser Welt. So lange angekündigt, du kommst für uns, damit wir einen Ort haben, wo Schuld abgegeben werden kann, weil wir es nicht selber tragen können. Gibt so viele Leute, die denken, an Jesus zu glauben heißt, man lebt gut. Das ist Quatsch. An Jesus zu glauben heißt, ich habe verstanden, wie sehr ich es nötig habe, von dir Vergebung zu bekommen, mit dir den Platz zu tauschen, weil ich selbst an mir verzweifeln müsste. Herr, du siehst jedem von uns ins Herz, wie oft machen wir uns selber auch was vor. Ach so schlecht bin ich doch nicht. Ich bitte dich, dass du mit deinem Geist uns das Herz, die Augen dafür öffnest, wie sehr wir dich brauchen, wie sehr wir dich nötig haben. Ich könnte wichtiger sein, als diesen Tausch mit dir zu vollziehen. Ja, danke für Karfreitag, für alles, was dort passiert ist und woran wir uns heute erinnern dürfen. Schenk, dass es unser Leben genauso verändert, für immer verändert, wie das bei Petrus und den Jüngern danach der Fall war, als sie begriffen haben, was da wirklich passiert ist.
Speaker1
00:21:40
Danke, Herr, für deine Liebe.
Speaker0
00:21:42
Du bist das Lamm, das die Schuld trägt.
Speaker1
00:21:46
Amen.