Mark Bühner - Unsere Schuld | Herr, lehre uns beten! - Das Vaterunser (Teil 4 von 6)
Die Predigt erklärt die fünfte Bitte des Vaterunsers als Bitte um Vergebung realer Schuld vor Gott. Sie betont tägliche Buße, die Vater-Kind-Beziehung und dass empfangene Vergebung dazu führt, anderen zu vergeben.
25.08.2026 27 min F4 Schwaigern, Mark Bühner
Video zur Episode
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Zusammenfassung & Show Notes
Unsere Schuld
In dieser Predigt über das Vaterunser steht die fünfte Bitte im Mittelpunkt: „Vergib uns unsere Schuld“. Es wird betont, dass diese Bitte im Zentrum der menschlichen Bedürfnisse steht und dass Jesus sie an die Stelle setzt, an der viele eher andere Anliegen erwarten würden.
Die Predigt erklärt, dass Schuld nicht nur als Gefühl oder als zwischenmenschliche Verletzung gemeint ist, sondern als reale Schuld vor Gott. Mit dem Bild eines verursachten Schadens wird verdeutlicht, dass Schuld bleibt, auch wenn eine Tat vorbei ist, und dass sie beglichen werden muss. Vergebung wird deshalb als etwas beschrieben, das nicht einfach übergangen werden kann.
Weiter wird ausgeführt, dass der Mensch diese Schuld nicht selbst ausgleichen kann. Weder Verdrängung noch Vergleiche mit anderen noch gute Taten heben die Schuld auf. Als biblischer Bezug wird genannt, dass Jesus den Schuldschein ans Kreuz geheftet und damit getilgt hat.
Die Bitte um Vergebung wird zugleich als Gebet in einer Vater-Kind-Beziehung verstanden. Christen treten nicht als Angeklagte vor einen Richter, sondern als Kinder vor ihren Vater. Dazu wird auf Martin Luthers Gedanken der täglichen Buße verwiesen: Schuld wird täglich neu bewusst, und Vergebung wird täglich neu erbeten.
Zum Schluss wird der Zusammenhang zwischen empfangener Vergebung und eigener Vergebungsbereitschaft hervorgehoben. Wer selbst Vergebung erfahren hat, soll auch anderen vergeben. Ein persönliches Zeugnis über einen jahrelangen Konflikt mit offener Schuld veranschaulicht diesen Prozess. Abschließend wird die Gemeinde eingeladen, über eigene Schuld und über nicht losgelassene Verletzungen nachzudenken und gemeinsam das Vaterunser zu beten.
Das und mehr erzählt uns Mark Bühner
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Liebenzeller Gemeinschaft und EC-Jugendarbeit Schwaigern e. V.
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Tel. 07138 236 9645
Mobil: 0157 3723 4570
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Jugendpastor Johannes „John“ Götz
Tel. 07138 8145234
Mobil: 015115579068
johannes.goetz@lgv.org
Vorsitzende Sonja Bay
Mobil: 0174/9665002
sonja.bay@lgv-schwaigern.de
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podcast@lgv-schwaigern.de
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Intro und Outro: Sarah Reinwald
Produziert: F4 Podcast Team
In dieser Predigt über das Vaterunser steht die fünfte Bitte im Mittelpunkt: „Vergib uns unsere Schuld“. Es wird betont, dass diese Bitte im Zentrum der menschlichen Bedürfnisse steht und dass Jesus sie an die Stelle setzt, an der viele eher andere Anliegen erwarten würden.
Die Predigt erklärt, dass Schuld nicht nur als Gefühl oder als zwischenmenschliche Verletzung gemeint ist, sondern als reale Schuld vor Gott. Mit dem Bild eines verursachten Schadens wird verdeutlicht, dass Schuld bleibt, auch wenn eine Tat vorbei ist, und dass sie beglichen werden muss. Vergebung wird deshalb als etwas beschrieben, das nicht einfach übergangen werden kann.
Weiter wird ausgeführt, dass der Mensch diese Schuld nicht selbst ausgleichen kann. Weder Verdrängung noch Vergleiche mit anderen noch gute Taten heben die Schuld auf. Als biblischer Bezug wird genannt, dass Jesus den Schuldschein ans Kreuz geheftet und damit getilgt hat.
Die Bitte um Vergebung wird zugleich als Gebet in einer Vater-Kind-Beziehung verstanden. Christen treten nicht als Angeklagte vor einen Richter, sondern als Kinder vor ihren Vater. Dazu wird auf Martin Luthers Gedanken der täglichen Buße verwiesen: Schuld wird täglich neu bewusst, und Vergebung wird täglich neu erbeten.
Zum Schluss wird der Zusammenhang zwischen empfangener Vergebung und eigener Vergebungsbereitschaft hervorgehoben. Wer selbst Vergebung erfahren hat, soll auch anderen vergeben. Ein persönliches Zeugnis über einen jahrelangen Konflikt mit offener Schuld veranschaulicht diesen Prozess. Abschließend wird die Gemeinde eingeladen, über eigene Schuld und über nicht losgelassene Verletzungen nachzudenken und gemeinsam das Vaterunser zu beten.
Das und mehr erzählt uns Mark Bühner
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Transkript
Heute Abend miteinander, schön euch zu sehen, so zahlreich trotz der Mitte der Ferien.
Je nachdem, wie so euer Tag heute war, ich hoffe, ihr könnt noch viel mitdenken,
weil heute sind wir am Zentrum des christlichen Glaubens angekommen,
wenn wir das Vaterunser durchgehen.
Heute geht es ans eingemachte Kernstückzentrum.
Mittendrin in dieser Predigtreihe über das Vaterunser, das Gebet,
das Jesus seinen Jüngern beigebracht hat, Wo er gesagt hat, da lernt ihr,
wie man richtig betet. So sollen auch wir beten.
Wenn jemand von euch einen der letzten drei Teile verpasst hat,
hört euch das unbedingt online nochmal nach. Ich glaube, wenn man so diese Reihe
hat, eins, was aufs andere aufbaut, hat man am allermeisten davon.
Dieser spezifische Aufbau, wir haben ihn uns angeschaut.
Sonst klickt bitte die Technik.
Dieser Aufbau, wir sind so eng miteinander verzahnt in diesen einzelnen Bitten.
Warte mal, das muss aussehen.
Jetzt, genau. Wir haben uns das angeschaut gehabt. Die Bitten folgen so aufeinander.
Die Anrede, diese drei Du-Bitten, die drei Wir-Bitten, abschließender Lobpreis.
Und ihr habt vielleicht schon bei den letzten Predigten gemerkt,
jeder referiert immer zurück auf das, was sie davor schon gesagt haben.
Wenn du die Anrede nicht hast, kannst du die einzelnen Bitten gar nicht richtig füllen.
Wenn du diese Hinführung nicht hast, worum es zuallererst geht,
geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Willi geschehe.
Verdreht sich vielleicht die Relevanz dieser anderen Bitten in deinem Kopf.
Wenn das am Anfang steht, ergeben die anderen Bitten auch wieder Sinn.
Und wenn diese verschiedenen Elemente zusammenkommen, dann beginnt unser Beten
wirklich tief zu werden.
Und das wünsche ich mir, das wünsche ich euch, deswegen mag ich diese Reihe so.
Letzte Woche hat John die erste der drei Wir-Bitten behandelt,
wo es endlich um uns geht, könnte
man sagen. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Haben wir abgehandelt.
Und eigentlich müsste man doch jetzt erwarten, jetzt geht es so richtig um uns,
oder? Also um deine Anliegen, deine Sorgen, deine Wünsche, jetzt kommen deine
Probleme an die Reihe. Alles, was du Gott jetzt schon immer mal sagen wolltest, die Einleitung ist rum.
Doch das Erste, was Jesus uns anweist, nach der täglichen Versorgung zum Leben zu erbeten,
ist spannenderweise weder Gesundheit noch Erfolg,
kein langes Leben, noch nicht mal irgendein Gefühl, sodass ich mich friedvoll
fühle oder so, sondern diese berühmte fünfte Bitte, um die es heute gehen soll.
Erstmal nur den ersten Teil.
Und vergib uns unsere Schuld.
So, in dem Grund funktioniert das drücker nicht. Stefan, dann klick bitte du.
Dankeschön. Und vergib uns unsere Schuld.
Ich habe lange überlegt, warum stellt Jesus das genau an diese Stelle?
Offensichtlich war ihm diese Bitte wichtiger als so manche Bitten,
die wir vielleicht an diese Stelle gepackt hätten.
Wichtiger als wahrscheinlich viele der Dinge, die du und ich sonst so bitten.
Haben wir denn wirklich keine größeren Probleme und vergib uns unsere Schuld? Jesus sagt.
Haben wir nicht. Das soll genau da kommen. Die tiefste Not des Menschen, das ist seine Schuld.
Das ist das Kernproblem, das wir in dieser Welt mit uns rumschleppen.
Nicht umsonst platziert Jesus diese Bitte um Vergebung genau in die Mitte dieser
drei Bitten um die menschlichen Bedürfnisse. Also was brauchen wir?
Genau da steht es im Zentrum.
Und wer sich die Mühe macht, im Matthäus-Evangelium mal weiterzulesen,
der wird feststellen, das ist die einzige Bitte im Vaterunser,
auf die Jesus auch danach noch ein bisschen rumreitet.
Also wo er danach noch weiter spezifischer erklärt, ja, ja, das meine ich wirklich so.
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben. So wichtig ist ihm dieses Thema. Schuld.
Wir leben im 21. Jahrhundert und die frommen Leute, für die ist klar Schuld,
da bin ich irgendwie mit aufgewachsen, mit diesem Begriff.
Aber für ganz viele Menschen ist das kein Thema mehr. Schuld,
dieses ganze Konzept Schuld und da muss man es irgendwie sühnen und so.
Also Gott in Ordnung, dass es einen Schöpfer geben muss, meinetwegen.
Aber warum brauche ich das? Über sowas nachdenken.
Ich kenne viele Menschen, die belächeln diesen Gedanken an sich schon.
Dass ich objektiv Schuld haben sollte.
Und die lassen dann vielleicht auch gerade diese Bitte beim Vaterunser aus,
weil ich weiß gar keine Schuld. Weißt du, um deine Schuld?
Manch einer vielleicht schon, der andere nicht. Das wirkt wie so ein Fremdkörper.
Gib uns untertäglich Brot und dann weiß nicht, was soll er mir denn vergeben?
Wir sind es gewohnt, ganz viel zu reden über zwischenmenschliche Verletzungen,
die wir haben. Wir reden vielleicht von Schuldgefühlen.
Aber Schuld in diesem juristischen Sinn, dass wir Gott tatsächlich was schuldig
sind, ist heute ganz schön out.
Verstehen viele Menschen gar nicht mehr. Ich habe mich mal so ein bisschen informiert.
Viele moderne Soziologen behaupten, das eigentliche Problem unserer Gesellschaft
ist, dass wir uns immer einreden, wir wären nicht genug, wir hätten Schuld.
Wir müssen endlich lernen, uns von diesen Gefühlen, das was falsch läuft, loszusagen.
Du musst endlich lernen, dich selber als gut zu akzeptieren und dann haben wir keinen Stress mehr.
Dann sind die Hauptprobleme unserer Gesellschaft endlich gelöst,
wenn du aufhörst, dich selber so schlecht zu machen und deswegen dann irgendwie überreagierst.
Jesus behauptet, das eigentliche Problem in dieser Welt ist nicht deine fehlende Selbstannahme.
Sondern deine ganz reale Schuld vor deinem Schöpfer.
Der Mensch braucht nicht zuerst Bestätigung, sondern er braucht zuallererst Vergebung.
Das kennen manche von euch verschiedene Bibelferse dazu. Die Bibel sagt ja ausnahmslos,
jeder Mensch ist vor Gott schuldig.
Und früher, so als Kind, da habe ich immer gedacht, ja ist logisch,
weil ich mache halt so viele Fehler.
Also immer wenn ich lüge, wenn ich die zehn Gebote irgendwo breche,
wenn ich andere Menschen verletze und so, Dann verletze ich ja Gott und das
ist dann quasi meine Schuld.
Das läuft irgendwie ein, ne? Das bedeutet aber umgekehrt, wenn ich es schaffen
würde, weniger von diesen Fehlern zu machen, hätte ich doch auch weniger Schuld, oder nicht?
Also strengen wir uns doch alle an, hör halt auf mit Lügen. Ja,
sei halt nicht so fies, versuch positiver zu denken, mehr Liebe in dieser Welt.
Dann wird doch deine Schuld kleiner und du musst immer weniger beten, vergib mir die Schuld.
So habe ich mir das damals zusammengereimt. Das Problem ist,
dass Jesus das ja als Anleitung für unser tägliches Gebet gibt.
So sollen wir grundsätzlich beten.
Vergib uns unsere Schuld. Anscheinend kommen wir da nicht von weg.
Und dann fällt irgendwann auf, Jesus sagt auch gar nicht, Gott,
wenn ich gesündigt habe, dann vergib mir das.
Er redet nicht von falschen Taten, die Gott irgendwie aus der Welt schaffen
soll, sondern er redet von Schuld.
Schuld, das ist ein Begriff aus der Welt der Finanzen.
Schulden. Vielleicht hat jemand von euch das schon mal gehabt oder hat das noch
Schulden. Genau das meint dieses Wort.
Vergib uns meine Schulden. Nimm sie weg, diese reale Schuld, die da ist.
Das bedeutet, es geht bei dieser Bitte nicht darum, Gott, ich habe dich irgendwie
verletzt, komm Schwamm drüber. Komm, nimm diese Gefühle weg.
Es geht um eine offene Rechnung. Stell dir vor, heute nach dem Gottesdienst
kommst du zu einem Autounfall und ich bin der Täter.
Also meine Absicht, also war jetzt nicht böse gemeint, aber ich fahre dir volle Kanne rein.
Also du parkst da dein Auto und ich voll in die Seite.
Dein Auto hat eine Riesendelle, ist ganz schön lädiert.
Die Tat war nach wenigen Sekunden vorbei.
Und wenn du mich gut leiden kannst, dann ärgerst du dich kurz und sagst,
Er hat es ja nicht böse gemeint. Also, ist okay.
Hoffentlich vergibst du mir meine Tat.
Ist die Situation damit erledigt? Nein.
Die Tat, meinetwegen. Aber die Schuld ist jetzt noch da. Die Schuldfrage muss
geklärt werden. Nicht, wer hat die Schuld, sondern wer zahlt den Mist?
Da ist auf einmal was kaputt. Eine Riesendelle ist drin. Irgendjemand muss dieses
Auto reparieren. Jemand muss den Schaden bezahlen.
Die Tat ist vorbei. Die Schuld bleibt.
Genau das ist dieses feine Wortspiel, was Jesus hier gebraucht.
Wir sollen uns beim Beten vor Augen halten, dass unser Problem vor Gott nicht
einzelne Taten sind, nicht irgendwie ein Fehler ist, den Gott dann großmütig übersehen soll,
sondern dass Sünde eine ganz reale Schuld, einen Schuldschein vor dem Heiligen Gott erzeugt.
Und die Frage ist, wer bezahlt das? Wenn Jesus sagt, das sollen wir regelmäßig
beten, dann sagt er auch, das ist nicht die seltsame Ausnahme in deinem Leben,
sondern das scheint was sehr Regelmäßiges zu sein.
Das scheint die tägliche Realität zu sein, mit der du vor Gott trittst.
Nicht bloß das Übertreten einzelner Gebote, sondern ein Leben,
das Gott jeden einzelnen Tag versagt, was du ihm als sein Geschöpf eigentlich schuldig wärst.
Liebe, Gehorsam, Dankbarkeit, Anbetung und Ehre.
Gott hat ein Anrecht auf so vieles, was wir ihm schuldig bleiben.
Je reifer ein Christ im Glauben wird, zeigt sich das nicht dadurch,
dass er merkt, jetzt muss ich immer weniger beten, vergib mir meine Schuld,
sondern darin, dass er auf einmal immer mehr merkt, was Schuld bedeutet.
Auf einmal feinfühliger wird und merkt, boah krass, wenn Gott so groß ist.
Dann gebe ich ihm ja noch weniger, was er eigentlich verdient.
Dass du auf einmal merkst, ich habe ja nicht nur ein paar Fehler gemacht,
sondern ich habe mein Leben gegen diesen heiligen Gott gelegt.
Er steht nicht an dieser ersten Stelle, an der er eigentlich hingehört.
Deswegen haben wir ja schon gebetet im Vaterunser, dass es zuerst um ihn gehen
soll. Dein Reich und so weiter.
Anstatt dass wir Gott zum Zentrum gemacht haben, drehen wir uns um uns selber,
an jedem einzelnen Tag, auch heute. Wir haben Schuld.
Und jetzt gibt es jede Menge verschiedene Strategien, wie der Mensch so versucht,
mit seiner Schuld umzugehen, wenn er das denn mal irgendwo begriffen hat.
Die einen verdrängen das Thema ganz. Nur Schuldgefühle, ist nicht wirklich ernst.
Komm, wir lenken uns ab. Was will ich auch machen?
Die anderen vergleichen sich immer mit einem Nachbar oder mit irgendjemand anderem,
wo sie denken, der hat noch viel mehr Dreck am Stecken als ich.
Auf einmal komme ich ganz gut bei weg, weil es gibt immer jemand,
der schlimmer ist. Naja, es macht deine Schuld ja auch nicht weg.
Und dann wieder gibt es Leute, die versuchen, ab jetzt lebe ich ein gutes Leben,
ich gleiche meine Schuld irgendwie durch gute Taten aus.
Aber wenn wir das ernst nehmen, vergib uns unsere Schulden, die wir haben.
Dann gehen die dadurch nicht weg.
Stell dir vor, du schuldest jemandem 100.000 Euro. Die Schuld wird nicht weggehen,
indem du der Oma über die Straße hilfst.
Sie wird nicht weggehen, indem du dir einredest. Ich glaube,
ich fühle das nur, weil es ein Fakt ist, ein Zustand.
Indem Jesus hier ganz bewusst von Schuld spricht, macht er deutlich,
hey, wir haben einen Schaden.
Und dieser Schaden, den muss jemand begleichen.
Vergib uns unsere Schuld, bedeutet auch, Vergebung ist nie kostenlos.
Ist nicht einfach weggewischt, komm Schwamm drüber. Sondern so wie bei diesem
Autoschaden, es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie man diesen Schaden
aus der Welt schaffen kann.
Das Auto muss repariert werden, entweder du bezahlst oder der andere bezahlt.
Und wenn man jetzt sagt, naja, und wenn keiner bezahlt, dann bleibt auch der Schaden.
Das ist dieses Problem. Wir stellen uns das immer so vor, naja Gott,
dann guck halt nicht so. Warum ist der so kritisch?
Weil wir denken, es geht um die Taten.
Es geht um das Zwischenmenschliche. Ach komm, hab dich nicht so.
Es geht aber um eine Schuld, die ausgezahlt werden muss, die beglichen werden muss.
Wenn ich sage, ach komm, Schwamm drüber, verändert sich gar nichts.
Und auch wenn du dich dazu entscheidest, dein Auto nicht reparieren zu lassen,
hast du ja trotzdem den Schaden. Also versteht ihr, egal wie man es dreht und wendet, es bleibt.
Vater, vergib uns unsere Schuld ist ein Bekenntnis.
Ich realisiere, ja, ich weiß, ich habe Schuld. Ich bin schuldig.
Ich versage dir Gott, was dir zusteht.
Und gleichzeitig ist es natürlich auch eine Bitte.
Herr, ich bin gar nicht in der Lage, das zu bezahlen. 100.000 Euro,
meinetwegen. Aber das, was da an Schuld zwischen uns besteht,
diese Schuld zu begleichen, übersteigt mein Vermögen.
Und wenn ich eine Million Jahre leben würde, das schaffe ich nicht.
Und deshalb diese zentrale Bitte, Jesus, zahl du den Preis an meiner Stelle.
Genau das, sagt die Bibel, hat Jesus getan. Kolosser 2, Vers 14,
er hat den Schuldschein getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war.
Und er hat ihn aufgehoben, indem er ihn ans Kreuz nagelte.
Der Nagel war als Symbol darauf, dass er wirklich festgenagelt war.
Jesus wurde angenagelt.
So, jetzt weiß ich nicht, ob ihr da gedanklich dabei seid. Aber also wenn Jesus
am Kreuz die Schuld bezahlt hat, haben wir dann noch ein Problem?
Also warum muss ich dann regelmäßig beten und grundsätzlich in meinen Gebeten
das irgendwie berücksichtigen? Vergib uns unsere Schuld.
Hast du eine Idee? Also denk mal darüber nach. Ist doch komisch.
Also es geht hier nicht darum, wie werde ich Christ? Dass Jesus am Kreuz mit
mir tauscht und einmal die Schuld wegnimmt, ist ganz wichtig.
Aber darum geht es hier nicht. Jesus redet mit seinen Jüngern.
Jesus sagt, so sollen Christen, so sollen gläubige Menschen beten.
In diesem Gebet geht es nicht darum, du bist der Angeklagte und du stehst vor
dem Richter und sagst, bitte keine Strafe, irgendwie können wir das lösen.
Sondern wir haben gesagt, wir beten zum Vater.
Wir beten als Kinder zu ihrem geliebten Vater, die wissen, in unserer Beziehung läuft nicht alles rund.
Da stehen Dinge zwischen uns und weil wir einander lieben, will ich,
dass alle Dinge weggehen, die uns belasten.
Ich habe das Beispiel schon mal gebracht, aber ich bringe es auch gerne nochmal.
Liebende Eltern werden ihre Kinder wahrscheinlich nicht verstoßen,
wenn die sich irgendwie deppert benehmen.
Und wenn die noch so frech sind, die bleiben Kinder, bleiben erbberechtigt,
also im Vergleich, die Ewigkeit und so. Das bleibt, ihr bleiben Kinder Gottes.
Aber wenn Kinder sich total daneben benehmen, leidet trotzdem die Beziehung.
Und es ist richtig, das auszusprechen. Es ist richtig, um Vergebung zu beten.
Es ist richtig, zusammenzukommen und zu sagen, lass uns das ausräumen.
Wir wollen beieinander sein.
Martin Luther, guter Mann, hat das genannt, die tägliche Buße.
Ein Zitat aus dem großen Katechismus. Denn wir sündigen täglich viel mit Fleisch
und Blut und verdienen nichts als Strafe.
Darum ist es nötig, dass wir täglich zu dieser Bitte laufen und uns Trost holen.
Ganz spannende Verbindung. Wir haben diese Schuld die ganze Zeit,
jeden Tag neu, immer wieder, Weil wir zum Vater bitten, dürfen wir uns Trost
ruhen. Wir dürfen schon wissen, wie er reagiert.
Es geht nicht darum, bin ich Kind, bin ich es nicht, sondern stimmt die Beziehung.
Für Luther war diese tägliche Buße ein Kennzeichen geistlicher Reife.
Dass wir das immer mehr begreifen. Wir geben Gott nicht das,
was wir ihm schuldig sind, aber im Vertrauen aufs Evangelium,
auf seine Botschaft, auf das, was er am Kreuz gemacht hat, können wir vor ihn
treten und sagen, Vater, wir wissen um diese Beziehung.
Vater, ich weiß, ich habe auch heute wieder Schuld auf mich geladen.
Danke, dass du den Preis dafür bereits bezahlt hast. Das Zwischenmenschliche
regeln wir jetzt. Der Preis ist bezahlt.
Danke, dass ich weiß, ich stehe hier nicht vor einem strafenden Richter,
sondern ich stehe vor dem Vater, der mich mehr liebt als sein eigenes Leben,
denn er nagelt sich ans Kreuz.
Das ist die Freiheit der Kinder Gottes. Dass wir unsere tägliche Schuld,
die wir haben, nicht länger verstecken müssen. Oh, das ist doch peinlich und wenn das jemand wüsste.
Sondern dass wir zuversichtlich mit all unseren Versagen zu Gott kommen dürfen,
weil wir wissen, seine Liebe steht unwiderruflich fest. Wir werden nachher Abend mal feiern.
Luther sagt, du weißt um deine Schuld, du bist beladen, geh fröhlich hin,
lass dich erquicken und stärken.
Weil diese beiden Sachen zusammenkommen. Ich weiß, wer ich bin,
sehr schuldig. Und ich weiß, wer mein Gott ist, der das alles im Griff hat.
Das ist so was Schönes, das wirklich zu verstehen.
Und Jesus sagt, wer verstanden hat, wie unvorstellbar viel Gott uns in seiner
Liebe erlassen hat und wie wir jeden Tag neu zu ihm kommen dürfen,
das wird uns verändern, sodass wir von ganz alleine auch anderen gegenüber barmherzig
und vergebungsbereit werden.
Ihr wisst, wie das Vaterunser weitergeht. Und es war Jesus ganz wichtig,
das miteinander zu verbinden. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Du kannst mal selber kurz überlegen, ist das für dich logisch, einfach, naheliegend?
Wenn viel vergeben wurde, der wird auch anderen vergeben.
Und du kannst überlegen, gibt es da vielleicht eine Situation in deinem Leben,
wo dir das Sackgeschwerfeld?
Wo du es nicht willst, wo du dran festhältst, der hat Schuld und das bezahlt
der mir bis auf den letzten Heller und ich werde ihn strafen mit Verachtung oder mit was auch immer.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Ich habe gedacht, zu dieser Frage darf mal jemand anders reden als ich.
Ich habe den Patrick Herkle gefragt. Wir hatten vor ein paar Jahren da mal eine Begegnung zu.
Er wird uns ein kurzes Zeugnis zu diesem Thema geben. Wie auch wir vergeben
unseren Schuldigern. Danke Patrick. Danach mache ich weiter.
Ja, ich möchte euch da vor einer Begebenheit erzählen. War vor längerer Zeit,
Im Jahr 2015, hatte ich einen Kollegen,
der nebenberuflich in meiner Versillungsmaklerfirma mitarbeitete.
Wir haben einen guten Zusammenhalt gehabt. Wir haben gut zusammengearbeitet,
es war ein gutes Verhältnis.
Doch von heute auf morgen war er plötzlich nicht mehr da. Ich habe nicht mehr erreicht, gar nichts.
Und gleichzeitig waren zwischen uns noch 5.000 Euro offen, die er mir schuldete.
Und damals, ziemlich am Anfang meiner Firma, hatte ich finanziell wirklich zu kämpfen.
Die 5000 Euro hätte ich in dieser Zeit sehr gut brauchen können.
In meiner Not versuchte ich schließlich, das Geld über den Gerichtsvollzieher
zurückzubekommen. Doch auch das konnte nicht gepfändet werden.
Was mich im Nachhinein allerdings mehr beschäftigte als das Geld selbst,
war die persönliche Verletzung. Wir hatten uns gegenseitig vertraut,
gern zusammengearbeitet und plötzlich war das Vertrauen zerbrochen.
Also das hat mich emotional sehr troffen, über Jahre habe ich es mitgeschleift und ja,
Und es waren Verletzungen und der Kontakt ist vollständig abgebrochen.
Irgendwann war ich hier auch im F4 und da hat der Daniel eine Predigt über das
Thema Vergeben gemacht. Und da hat das erste Radern angefangen.
Und danach hatte ich sehr sehr Gespräch mit Marc, indem ich die ganze Situation
nochmal gemeinsam anschaute und beleuchtete.
Dadurch kam bei mir ein Prozess in Gang und auch durch Gebet.
Und irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich sagen konnte,
Ich möchte das Geld nicht mehr,
Es ist gut.
Ich habe losgelassen. Das Wort loslassen war das längste in meinem Leben,
weil ich habe da wirklich lang buchstabiert dran.
Und es war gut. Ich habe mich nicht länger von der Situation gefangen gelassen.
Das Geld war mir egal. Und dann habe ich gesagt, ja, irgendwann schreibe ich
in einem Brief, aber Gott hat ja Humor.
Ich bin vor kurzem dann beim Kaufland gelaufen und plötzlich stand der Mann
vor mir und hat gesagt, sag du, wir haben noch eine Rechnung offen,
die ist ganz wichtig, ich möchte das Geld zu kommen lassen.
Und dann konnte ich voller Überzeugung sagen, das Geld interessiert mich,
das ist gut. Ich vergebe dir und es ist alles okay.
Aber ich konnte dann danach nur ganz normal miteinander reden und die ganze
Anspannung war weg, über viele Jahre war plötzlich weg und ich habe einen Hagel hinter gemacht.
Heute merke ich, wie gut man das getan hat.
Ich bin frei und genau das wollte ich mitgeben. Aber Vergebung hat in meinem
Fall nicht einfach nur die alte Geschichte beendet. Sie hat mich selbst von
irgendwas befreit, das ich viele Jahre mit mir herumgetragen habe.
Und da bin ich Gott dankbar.
Danke dir, Patrick, dass du dich darauf eingelassen hast. Hilft vielleicht,
sich das nochmal so ein bisschen an einer Geschichte vorzustellen.
Nochmal, ich weiß nicht, wie das in deinem Leben ausschaut.
Wenn wir täglich Vaterunser beten sollen und diese Bitte da mit drin ist,
dann sagen wir, das wollen wir. Heißt nicht, man kann das emotional immer,
man kann immer gleich alles loslassen.
Aber heißt Gott, das will ich. Hilf mir dabei, das umzusetzen.
Loszulassen, wo Leute mich verletzt haben.
Nicht mehr nachzutragen, mich nicht mehr selber gefangen nehmen zu lassen von
dieser Schuld und diesem Schein, den ich mir irgendwo festhalte.
Und auch hier gilt, wie fast immer in der Bibel, die Reihenfolge ist ja super
wichtig. Jesus sagt nicht, wenn du genug vergeben hast, dann bin ich auch bereit, dir zu vergeben.
Also wenn du diese Leistung bringst, das alles zu schaffen, dann,
sondern er verdeutlicht, wie diese beiden Ebenen zusammenhängen.
Zuerst kommt die Vergebung von Gott und als Reaktion darauf,
wenn das dein Herz erreicht, solltest du gar nicht mehr anders können,
als auch anderen Menschen zu vergeben.
Weil dir so unendlich viel mehr vergeben wurde, als jemals ein Mensch an dir schuldig werden kann.
Vergebungsbereitschaft ist die logische Folge, wenn ein Mensch das mal begriffen hat.
Und ich denke, viele Sachen, die wissen wir irgendwo im Kopf,
man hat das oft genug gehört.
Und wir brauchen das, Gott, dass du uns das ins Herz hineinsprichst.
Und wir auf einmal ergriffen darlegen und feststellen, wie groß ist meine Schuld.
Täglich immer wieder neu. So viel.
Was sollte ich anderen nachtragen können? Deswegen gilt auch umgekehrt,
ich kenne Menschen, die lassen diesen Teil beim Vaterunser aus.
Also entweder die ganze Bitte oder vielleicht nur ein Teil, vergib mir meine Schuld.
Und dann machen wir halt nachher weiter, weil das will ich einfach nicht.
Beides gehört zusammen. Wer dauerhaft unversöhnlich bleibt, ich will das nicht,
der zeigt damit auch, er hat die rettende Botschaft vom Kreuz nicht verstanden.
Er hat sie vielleicht gehört, aber sie hat ihn nicht ergriffen.
Das Evangelium, wenn es uns erreicht, bewirkt vor allem drei Dinge und damit
komme ich zum Schluss. Also diese rettende Botschaft.
Wenn das unser Herz trifft, macht es uns demütig genug, um Schuld einzugestehen.
Nicht tun zu müssen, als hätte ich keine Fehler. Oh, ich habe sehr viel,
sehr viel Schuld, was ich mit mir rumtrag.
Wie gut Gott, dass ich zu dir kommen kann und sie abgeben darf.
Das Zweite, was passiert, ich werde auf einmal sicher genug,
um fröhlich vor Gott kommen zu dürfen.
Weil ich weiß, er ist mein liebender Vater. Wenn der am Kreuz die Nägel für
mich trägt, die Gottverlassenheit für mich auf sich nimmt, dann stößt er mich nicht von sich.
Und deswegen dreh dich nicht zitternd und bibbernd vor ihn hin.
Und nein, bitte gib mir nochmal eine Chance. Morgen muss ich es wieder machen.
Sondern mit Zuversicht, sagt der Luther. Fröhlich. Ich weiß, mein Gott ist gut.
Er liebt mich wie ein Vater sein Kind. Deswegen diese Anrede.
Und drittens, das Evangelium macht uns so fröhlich und frei.
Gott hat mir das alles vergeben, dass ich diese Freiheit, dieses Losgelöstsein,
auch anderen weitergeben will.
Wer Vergebung erfährt, vergibt. Wer von Gnade lebt, wird gnädig miteinander.
Und wer selbst freigesprochen wurde, kann auch andere freisprechen.
Ich sage mal Amen, aber ich würde euch gerne gleich ein bisschen Zeit geben,
um darüber nachzudenken. Macht es Sinn? Lebe ich das?
Muss ich drum ringen und beten und sagen, Herr, bewirke du in meinem Herzen,
was mein Verstand vielleicht verstanden hat?
Ich habe es vorher schon gesagt, wir werden in wenigen Minuten das Abendmahl
zusammen feiern und das passt eigentlich super für diese ganze Bitte.
Vielleicht ist es heute ja die Gelegenheit, um endlich mit Gott ins Reine zu
kommen. Schuld, wer weiß, was du mit dir rumschleppst.
Oder vielleicht auch umgekehrt einen Schuldschein, den jemand anders dir schuldet,
also was jemand dir schuldig geblieben ist, wie auch immer,
das, was du so lange festgehalten hast, bewusst mit Gottes Hilfe zu zerreißen,
und zu sagen, ich will das nicht mehr.
Ich spreche den Freigott, so wie du mich freigesprochen hast.
Je nachdem, an welchem Punkt du gerade stehst, ist vielleicht das eine,
vielleicht mehr das andere, wer weiß.
Wir nehmen uns jetzt eine kurze Zeit der Stille, wo jeder darüber nachdenken
und gerne auch beten darf.
Und dann beten wir zusammen das Vaterunser als Abschluss. Lade euch ein, mit mir zu beten.
Vaterunser im Himmel, heiligt werde dein Name, dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gibt uns heute und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Speaker1
00:18:29
Mark Bühner
00:20:04
Speaker1
00:20:05
Mark Bühner
00:21:17