F4 Schwaigern

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Mark Bühner - Sein Name | Herr, lehre uns beten! - Das Vater unser (Teil 1 von 6)

Die Predigt stellt das Vaterunser als Leitfaden fürs Gebet vor. Betont werden Gottes Nähe und Heiligkeit in „Vater unser im Himmel“ sowie die Bitte „Geheiligt werde dein Name“ als Ausrichtung auf Gottes Namen, Reich und Willen.

04.08.2026 32 min F4 Schwaigern, Mark Bühner

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

Sein Name
 

In dieser Predigt wird das Vaterunser als Leitfaden für das Beten vorgestellt. Mark Bühner betont, dass Gebet für den Glauben zentral ist und nicht nur aus Gewohnheit oder in bestimmten Situationen geschehen sollte, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Gott heraus.

Zunächst wird die Struktur des Vaterunsers erklärt: die Anrede an den Vater, dann drei Bitten, die sich auf Gott beziehen, danach die Bitten um alltägliche Bedürfnisse, Vergebung und Bewahrung, und am Ende der Lobpreis. Diese Ordnung wird als Ausdruck einer geistlichen Ausrichtung beschrieben.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Menschen normalerweise beten. Bühner sagt, dass Gebet oft von eigenen Anliegen geprägt ist und Gott dabei leicht zum Mittel für persönliche Ziele wird. Das Vaterunser setze dem die Aufforderung entgegen, zuerst auf Gott selbst zu schauen: auf seinen Namen, sein Reich und seinen Willen.

Danach geht es um die Anrede „Vater unser im Himmel“. Bühner erläutert, dass Jesus damit eine neue Nähe zu Gott eröffnet, ohne seine Heiligkeit zu mindern. Gott ist zugleich liebender Vater und der erhabene Herr im Himmel, und christliches Beten lebt aus dieser Spannung von Vertrauen und Ehrfurcht.

Anschließend legt er „Geheiligt werde dein Name“ aus. Damit sei nicht gemeint, Gottes Heiligkeit zu steigern, sondern Gottes Größe anzuerkennen und im eigenen Leben sichtbar werden zu lassen. Die Bitte wird als tägliche Ausrichtung verstanden, Gott in Worten, Entscheidungen und Verhalten an die erste Stelle zu setzen.

Zum Schluss wird zum gemeinsamen Beten des Vaterunsers eingeladen. In einem abschließenden Gebet wird um Staunen über Gott, um ein Herz ohne Selbstbezogenheit und um die Bereitschaft gebeten, Gottes Ehre über das eigene Wollen zu stellen.

Das und mehr erzählt uns Mark Bühner

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Transkript

So, guten Abend miteinander. Ich freue mich schon seit Wochen, dass wir diese Predigtreihe heute starten können. Sommerferien sind sechs Wochen lang. Ein Würfel hat sechs Seiten. Und das Vaterunser besteht praktischerweise aus sechs Versen. Da wisst ihr schon mal die Gliederung so für heute und für die nächsten Wochen. Ja, Gebet, ne? Wer von euch hat heute schon gebetet? Ich hoffe, viele Hände würden hochgehen. Hat jemand heute schon das Vaterunser gebetet? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Okay, doch, manche Hände sind da. Gebet ist ja immer so eine zwiespältige Sache. Also wer im Glauben unterwegs ist, der weiß, super wichtig. Ohne Gebet kannst du einpacken, kommst du nicht weit. Wir leben nicht, weil wir so schlau und toll sind, sondern wenn Gottes Kraft uns nicht unterstützt, wenn er die Dinge nicht bewirkt in unserem Herzen, wir kommen nicht weit. Gleichzeitig gibt es öffentliche Gebeten, so im Gottesdienst oder wir stehen gemeinsam auf und beten. Vielleicht gibt es Gebet bei Tisch. Manch einer hat so irgendwelche Traditionen zu Hause. Wann wird gebetet? Und es gibt das ganz persönliche Gebetsleben. Wenn dich keiner sieht, wenn du alleine bist, was vielleicht ganz spontan sein kann, wo du merkst, das triggert mich. Jetzt muss ich beten, jetzt will ich beten mit meinem großen Gott. Jemand hat mal gesagt, wenn man sich anschaut, wie jemand betet, wenn ihn keiner sieht, ist es immer auch ein Ausdruck, ein Zeichen davon, wie sein Glaube gerade ausschaut. Also wie steht es um deine Beziehung zu Gott? Naja, davon wird das Gebeten gewisserweise ein Spiegel sein. Wenn du gerade Schwierigkeiten mit Gott hast, wirst du anders beten. Vielleicht gar nicht beten. Wenn du gerade voll begeistert bist, so wie jetzt hier beim Lobpreis, wie groß ist Gott, was tut er für Wunder, was macht er, wirst du anders beten. Vielleicht häufiger, vielleicht spontaner, vielleicht, wenn du einfach durch Schweigern oder wo auch immer du her bist, durch den Ort läufst oder auf der Arbeit bist und auf einmal denkst du, wow, Gott, du bist dieser Gott, der Wunder tut, dir gebührt die Ehre. Ein Glaube, der in eine gewisse Weise, ich sag mal, reif und vertraut an Gott dran ist, wird sich immer auch dadurch auszeichnen, dass wir anfangen, gerne zu beten. Also nicht, weil gerade Essen ist, nicht, weil man es sich angewöhnt hat, auch wenn es gute Traditionen gibt, sondern weil du merkst, du sehnst dich danach, Zeit mit deinem himmlischen Vater zu verbringen. Und spannenderweise ist das genau die Haltung, die Jesus Christus seinen Jüngern vorgelebt hat und die bis zu einem gewissen Grad zu der Entstehung des Vaterunsers geführt haben. Die Jünger merken, Jesus betet anders. Diese intensive Zeit, die er da verbringt. Und immer, wenn man ihn irgendwie beten hört und was sie so belauschen können, die sind ja eng an ihm dran, das wollen wir auch. Und sie sagen, Herr, lehre uns beten. Und er präsentiert ihnen die entscheidenden Elemente seines eigenen persönlichen Gebetslebens. Und er sagt zu ihnen, so sollt ihr beten. Ich weiß nicht, was so deine persönliche Verbindung zum Vaterunser ist. Mancher sagt, das müsste man einfach mehr machen. Das müsste man mehr beten. Manch einer sagt, ach, da komme ich gar nicht mit, wenn dann alle im Gleichschritt beten sollen und so. Da kann ich mich nicht konzentrieren. Das Vaterunser war auch von Jesus nie dazu gedacht, dass wir das zu einem Mantra machen. Also mantraartig beten wir das runter und die Worte an sich sind irgendwie selbstwirksam, auch wenn man sie nicht fühlt oder nicht versteht oder fühlt. Sondern es geht darum, das, was hier gebetet wird, ehrlich zu beten. Wirklich zu glauben und zu sagen, ja, das ist meine Herzenshaltung. Und das will ich. Und dann in dein eigenes Gebetsleben zu integrieren. Also es müssen nicht die genau gleichen Worte sein, aber die Themen, der Inhalt, der Fokus, das zu deinem eigenen Gebetsleben umzuformen. Von Martin Luther zum Beispiel weiß man, da war ein großer Mann des Gebets, der hat sein persönliches Beten anhand der Bitten vom Vaterunser durchstrukturiert. Klingt ein bisschen komisch, die waren damals vielleicht auch mehr so auf Tageszeitengebete und so orientiert. Aber wenn der gebetet hat, dann ist der gedanklich des Vaterunser durchgegangen. Vaterunser im Himmel. Vater. Und erstmal ist er bei Vater stehen geblieben. Dann bei Unser. Dann bei ihm im Himmel. Also Schritt für Schritt ist er weitergegangen und hat über dieses Gebet betend meditiert. Nachdenkend weitergebetet. Und dabei ist ihm neben vielen anderen Dingen unter anderem bewusst geworden, es sind nicht nur die einzelnen Bitten, sondern es ist sogar die Struktur, die diesem Gebet inne wohnt, wo Jesus, so schlau wie er ist, uns geistlich was vermitteln will. Deswegen habe ich gedacht, heute erste Einheit, wir gönnen uns mal zuerst einen Blick aus der Distanz aufs große Ganze. Vater Unser. Wenn es kommt. Matthias, musst du klicken, genau. Zuerst kommt die Anrede, Vater, unser, im Himmel. Reden wir noch drüber. Dann kommen die drei sogenannten Du-Bitten, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, die im Himmel so auf Erden. Danach ändert sich der sprachliche Fokus und es kommen die sogenannten Wir-Bitten. Unser tägliches Brot gib uns heute. Vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Und dann als Abschluss ein wunderschöner Lobpreis mit dem gleichen Fokus, wie Jesus schon angefangen hat. Von uns weg hin zur Größe, zur Herrlichkeit Gottes. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Schon allein an dieser Struktur, wenn man sich das mal so anschaut, kann man erkennen, das ist sehr viel mehr als ein Gebet oder ein Lehrstück übers Beten, sondern das Vaterunser ist auch ein Glaubensbekenntnis. Siehst du fragen, glaube ich das? Denke ich so? Sieht meine Gottesbeziehung so aus? Jesus zeigt uns hier nicht einfach, das wäre doch mal nett, ein nettes Gebetsanliegen, hast du schon an das und das gedacht? Sondern er macht deutlich, beim Beten geht es um die Ausrichtung unserer Herzen. Es geht darum, dass wir Gott gegenüber eine völlig neue Ausrichtung brauchen. So wie wir normalerweise beten, ist nicht, wie das Vaterunser klingt. Du kannst schon mal selber überlegen, wie gesagt, was waren so deine letzten persönlichen Gebete, wenn wir ehrlich sind, beten wir, weil wir ein Anliegen haben. Also häufig genug bete ich zu Gott, weil ich mich eigentlich um mich selber und so, um meine Themen irgendwie drehe. Ich habe vielleicht ein Problem oder nichts. Und ich denke, na Gott, da könntest du dich bitte für stark machen. Also ich habe eigentlich eine gute Idee, das könntest du mir doch jetzt umsetzen. Bedeutet aber, Gott ist für mich beim Beten der Mittelsmann zu dem, was ich eigentlich will. Hilf mir, mein eigentliches Ziel umzusetzen. Meine Bitte. Ich versuche Gott zu bestechen. Ich versuche Gott zu bereden, zu überreden. Wie muss ich beten, dass er macht, was ich will? Wie schnell behandeln wir den allmächtigen Gott, Vater unser im Himmel, wie ein Mittel zum Zweck und nicht mehr als den eigentlichen Adressaten. Und jetzt sagt Jesus, okay, Junge, Junge, ihr wollt lernen, wie man richtig betet. Dann fangt damit mal an. Schau nicht zuerst auf dich. Und auf deine Wünsche, sondern schau zuallererst auf Gott. Schau auf seine Größe. Schau auf seine Anliegen. Was ist denn Gott wichtig? Und deswegen bringt Jesus hier in diesem Prototyp, wie man richtig beten soll, zuallererst diese drei Du-Bitten. Bei denen es nur um Gott geht. Dein Reich, dein Wille, dein Name. Damit will er klarstellen, wenn wir beten, denk mal von dir weg und schau zuerst auf Gottes Verehrung. Zuerst geht es um Gott und dann geht es um dich und um deine Bedürfnisse. Und jetzt weiß ich, weil wir ja alle in der gleichen Welt leben, fühlen wir oft nicht so. Also so schlägt mein Herz halt nicht von alleine. Es ist relativ schwer zu verdauen, weil überall um uns herum in der Welt hört man ja das Gegenteil. Überall rum hört man, pass bloß auf, dass du nicht zu kurz kommst. Wenn du glücklich sein willst im Leben, dann ordne dich nicht anderen unter, sondern guck, dass du deine Ziele erreichst, dass du erfolgreich bist. Und wenn du es endlich geschafft hast, all das, was du in dir fühlst, was du werden willst, was du erreichen musst und so weiter, wenn das geschafft ist, deine Bedürfnisse, dann bist du glücklich. Das ist so die Erzählung unserer Welt. Und wer die Bibel kennt, der weiß, das steht da ziemlich anders. Die Bibel sagt, Gott sagt in der Bibel, der Mensch ist gar nicht dazu bestimmt, seine ureigensten Bedürfnisse durchsetzen zu müssen. Du bist gar nicht dazu bestimmt, alles zu erreichen, was sich für dich spontan erstrebenswert anfühlt. Du bist nicht dazu bestimmt, dich selbst an den ersten Platz zu stellen, dir selbst das Wichtigste zu sein. Sondern echte Zufriedenheit, echtes Lebensglück findest du gerade nicht dort, wo du alles kriegst, was du dachtest, was du brauchst. Vielleicht kennt ihr dieses relativ berühmte Zitat vom Schauspieler Jim Carrey, bekannt aus Filmen wie Bruce Allmächtig, Die Truman Show und so. Inzwischen ist er ein bisschen älter geworden, aber ist immer noch der gleiche. Der Typ besitzt Millionen dreistelliger Zahl, also der ist wirklich reich. Der hat so ziemlich alles erreicht, was man im Filmbusiness schaffen kann und er sagt, auch meine Träume, die habe ich verwirklicht bekommen. Und trotzdem hat er vor etlichen Jahren auf so einem Film, ach keine Ahnung, so ein Interview, was er da gegeben hat, auf so einem großen Treffen, hat er folgenden Satz gesagt. Ich finde, jeder sollte reich und berühmt werden und alles erreichen, wovon er je geträumt hat, damit er erkennt, dass das nicht die Antwort ist. Finde ich super spannend. Wer weiß, womit du gerade mit Gott haderst, dass er es dir nicht geschenkt hat. Ne? Stell dir mal vor, du würdest alles kriegen, was du denkst, was du brauchst. Und du würdest realisieren, ach so, das war es gar nicht. Ich fühle mich immer noch nicht erfüllt. Ich bin immer noch nicht ausgefüllt. Mein Leben ist immer noch nicht perfekt. Vielleicht waren meine Ziele gar nicht die sinnstiftenden, die ich brauche. Gar nicht das, was mich wirklich ausfüllt. Vielleicht weiß es Gott besser. Das Vaterunser beginnt ganz bewusst nicht mit dir und mit deinen Wünschen, weil Jesus ganz genau weiß. Deine Vorstellungen von Geld, Gesundheit, Beziehungen, Status, Anerkennung, was auch immer, wofür wir so oft beten, sind nicht die Dinge, die dich tatsächlich dauerhaft glücklich machen. Sondern das, was du vor allem anderen brauchst, ist eine gesunde Beziehung zu Gott. Eine Beziehung, die begriffen hat, nicht Gott dreht sich um mich und ich bin der König meiner Welt, sondern ich muss Gott ins Zentrum stellen. Und ich selbst werde am meisten davon profitieren. Stelle Gott, sein Reich, seine Verehrung an die erste Stelle deines Herzens. Das ist diese Ausrichtung. Und du wirst feststellen, auch wenn es paradox klingt, dass du selbst davon erfüllter wirst, befreiter wirst. Viel mehr, als du es je für möglich gehalten hättest. Weil du immer dachtest, was anderes ist es. Jesus bringt im Matthäus-Evangelium, wo er das Vaterunser bringt, nur wenige Verse danach, im Grunde diese Aussage auf den Punkt, Matthäus 6, Vers 33, wo er den gleichen Leuten, die ihm immer noch zuhören, sagt, trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. So wird euch das alles, worum ihr sonst bittet und euch sorgt und was ihr meint zu brauchen, das, was ihr wirklich braucht, das alles wird euch zufallen. Das ist mal die Voraussage zum Vaterunser. Die Herzenshaltung, mit der wir beten sollten. Ja, und das bedeutet ganz praktisch, wenn du beim Beten mit dem Ergebnis deiner Gebete unzufrieden bist, weil, wer hätte es gedacht, Gott vielleicht nicht so gehandelt hat, wie du es wolltest, ist es eine super Idee, das Vaterunser von vorne anzufangen. Versteht ihr? Also ich habe gebetet und dann ich hätte gern das und das. Gesundheit. Und dann bist du unzufrieden, fang von vorne an. Vater unser im Himmel. Deins, deins, deins, nicht meins. Und ich finde, mit diesem Hintergrundwissen über das große Ganze starten wir jetzt auch in die einzelnen Formulierungen und können sie vielleicht ganz anders auf uns wirken lassen. Vater unser im Himmel. Wurde schon viel zu gesagt, manches wiederhole ich vielleicht auch. Doch allein diese Eröffnung, diese Anrede Gottes muss für die Jünger damals wie ein Blick in eine andere Welt gewesen sein. Das kannten die nicht, das war für die unvorstellbar, weil dies waren alles Juden. Und die waren natürlich von klein auf dran gewöhnt, ey Gott ist heilig, dem hast du gefälligst mit dem Höchstmaß an Respekt und Achtung entgegenzutreten. Und deswegen wissen bestimmt viele von euch, man hat nicht mal den Namen Gottes, Jahwe, wie er sich Mose vorgestellt hat, nicht mal laut ausgesprochen. Das war für die so heilig. Nicht, dass wir irgendwie zu trampelig an Gott rantreten. Können wir uns doch nicht trauen, wagen wir nicht. Und deswegen haben die ganz viele andere Ehrentitel gehabt. In der Bibel ist auch El Shaddai, der Allmächtige, so kann man Gott anreden. Herr Zebaot, Herr der himmlischen Heere, also der Streitwegen und Mächte. El Elyon, der Höchste. Und so gab es ganz, ganz viele, viele Titel, die diese Ehre zum Ausdruck gebracht haben. So hat man Gott angeredet. Und dann kommt Jesus und spricht den Allmächtigen Gott mit diesem aramäischen, innerfamiliären Bezugswort an, mit dem Kinder zu ihrem liebenden Vater kommen. Abba, Vater. Das ist im Aramäischen übrigens keine Verniedlichung. Also es gab mal Zeiten, da hat man gedacht, ja, das ist halt so irgendwie das Väterchen oder der Papi oder so. Das trifft es nicht von der Übersetzung her. Da schwingt auch ganz viel Respekt mit. Also auch erwachsene Kinder konnten ihren Eltern gegenüber Abba sagen. Da geht es mehr um die Beziehung und nicht um das, du bist irgendwie auf einer unteren Stufe oder so. Und trotzdem eröffnet Jesus seinen Jüngern durch diesen Begriff natürlich eine völlig neuartige Dimension, wie man Gott sehen kann. Revolutionär. Im Grunde nimmt Jesus hier schon wieder einmal vorweg, was passiert, wenn er ans Kreuz geht. Wie das die ganze Welt auf den Kopf stellen wird, in der Art und Weise, wie wir vor Gott treten können. Versteht ihr, ist ja nicht so, als wäre es im Alten Testament. Die wussten halt noch nicht, dass Gott der Vater ist. Nee, nee, diese Anrede wird erst durchs Neue Testament möglich. Sind wir uns dessen bewusst, dass zu Gott Vater sagen zu dürfen ein Vorrecht ist, das Jesus mit seinem Blut teuer am Kreuz erkauft hat? Sind wir uns dessen bewusst, dass es deswegen auch nur dann Sinn macht, Gott mit Vater anzusprechen, wenn wir das glauben? Wenn wir sagen, ja, durch Jesus bist du mein Vater. Weil Jesus für meine Schuld gestorben ist, weil er bereit war, mit mir den Platz zu tauschen. Er war wirklich der Sohn. Und jetzt tauscht er mit mir den Platz, jetzt bin ich Sohn oder Tochter. Wenn ich das glaube, das akzeptiere, diesen Tausch angenommen habe, dann erst kann ich sagen, Vater. Davor kann ich es sagen, aber es stimmt halt nicht. Bei jedem Gebet, das wir beten, sagt Jesus, macht euch das klein. Welcher Beziehung steht ihr zu Gott? Das darf euch vor Augen stehen. Durch Jesus gehören wir für Gott zur Familie. Und deshalb dürfen wir Gott gegenübertreten als jemandem, dem wir uns zugehörig fühlen, wie einem liebenden Vater. Den wir uns nahbar fühlen, der ist da. Zu dem wir Vertrauen haben, wie zu jemandem, von dem ich wirklich denke, der hat mich lieb. So viele Jahre Erfahrung. Gott ist mein liebender Vater. Und da ist jetzt die gewisse Spannung. Vater unser im Himmel. Jesus macht gleichzeitig klar hier, deswegen ist Jesus noch lang nicht oder Gott noch lang nicht unser Kumpelhafter, den wir irgendwie rumkommandieren können. Er ist im Himmel. Das bedeutet, er ist der erhabene König. Er thront über dieser Welt. In dem Psalm heißt es mal, das ist der Schemel seiner Füße. Also Gott ist gewaltig und mächtig. Er thront über all dem hier. Und das heißt, wir sind Gott nahbar, nicht weil er uns so ähnlich wäre, sondern obwohl er im Himmel thront, obwohl er uns an Macht und Heiligkeit und Herrlichkeit endlos überlegen ist. Superspannende Anrede. Jesus verbindet hier sowohl das kindliche Vertrauen, und ich vertraue dir, du bist gut, als auch die höchste Ehrfurcht, die man haben kann. Du bist der Allmächtige. Und ich glaube, das ist eine Spannung, die sich auch in unseren Gebeten im Idealfall nie ganz auflösen sollte. Also klar, mal ist man mehr da, mal mehr da, das ist okay. Aber wenn unser Beten einseitig wird, verlieren wir was von dieser Dimension, was Beten für uns bedeuten soll. Wenn Gott für dich, nehmen wir mal an, vor allem der heilige König ist, ja, also der Thron da und so, und du bist ganz da unten, dann wird dein Beten mit ziemlicher Sicherheit, ich sag mal, von Distanz bestimmt sein. Vielleicht auch von Angst. Und das bedeutet, dass anstatt, dass du wirklich ehrlich werden kannst, du dich gar nicht traust, ganz ehrlich zu sein. Weil, wenn der mitkriegt, verstehe ich, der macht mich ja fertig. Ich kenne Menschen, ich kenne es auch in meinem Gebetsleben manchmal, dass da so viele Zweifel sind oder Ängste vor diesem Mächtigen, dass man sein eigenes Versagen, seine Schuld lieber unter den Teppich kehrt, weil Gott ist ja so groß und mächtig. Dadurch wird unser Gebet automatisch zu einer Form von religiöser Pflichterfüllung, von Leistung oder so, aber die Nähe ist völlig weg. Und das, was Evangelium am Kreuz bedeutet, wie Gott uns nahe kommt, ist völlig weg. Jetzt gibt es auch noch die andere Seite. Habe ich auch schon öfters erlebt. Oh ja, wenn Jesus für mich gestorben ist, dann ist das jetzt nicht mehr der Heilige Großes, sondern das ist jetzt mein Kumpel, das ist mein Faddi oder so. Also irgendwie ist man auf Gott konzentriert, als wäre er nur noch dieser liebe Vater, nicht mehr der Richter der Welt, nicht mehr der Heilige. Man verliert die Autorität, die Gott über mein Leben haben soll, aus dem Blick. Seine Heiligkeit. Was passiert? Naja, früher oder später werden sich unsere Gebete wieder um uns drehen. Auf uns konzentrieren, weil Gott ist ja nämlich so wichtig. Mit jedem deiner Wünsche. Auf die Gott in seiner Souveränität, die er nun mal hat, mit seiner Weitsicht, er versteht die Dinge anders als wir, auf die er anders reagiert, als du es gern hättest, wirst du anfangen, zynisch zu sein. Ihm vielleicht auch anzuklagen und im Ergebnis immer enttäuschter sein. Was bringt Beten überhaupt, wenn der Papi nicht alles macht? Wir werden immer weniger beten. Ich spreche manchmal mit Christen, die sind schon lange im Glauben unterwegs, die genau an dieser Schwelle stehen. HGB, dich check's einfach nicht, das soll nicht, verstehst du, was bringt's denn, wenn er doch nachher nicht macht? Dynamische Spannung, beides muss im Idealfall zusammenkommen. Vielleicht stehst du gerade mehr links, vielleicht mehr rechts. Bindung, Vertrauen und Ehrfurcht. Jesus bringt diese beiden Wahrheiten über Gott wunderbar zusammen und das macht christliches Beten so einzigartig. Gibt es sonst nirgends? Wir beten weder zu einem unnahbaren König irgendwo da draußen, noch beten wir zu einem Kuschelgott, der irgendwie handzahm ist und alle meine Wünsche erfüllen müsste. Sondern wir kommen als unglaublich privilegierte Kinder, und da dürfen wir dankbar für sein, kommen wir vor den Herrscher über alles und jeden. Wir beten vertrauensvoll und ehrfürchtig. Ich glaube, das ist ein lebenslanges Lernen. Mal steht mal mehr da, mal mehr da, aber es hört nie auf. Und wir sollten aufhören, beim Beten einfach drauf loszuplappern, sondern uns das auch mal bewusst bewusst zu machen. Mit wem rede ich da gleich? Der heilige himmlische Vater, zu dem ich kommen darf. Ich darf auf seinem Schoß sitzen, obwohl er der Richter der Welt ist. Jesus wusste damals schon ganz genau, unsere Herzen ticken einfach anders. Wie schnell kreisen wir beim Beten, obwohl wir viel gelernt haben und viel wissen, dann doch wieder um uns selber. Und spannenderweise gilt deshalb genau die allererste Bitte im Vaterunser, das ist auch noch Teil des ersten Verses, genau diesem Problem. Die allererste Bitte ist, geheiligt werde dein Name. Hast du dich mal gefragt, was das überhaupt heißen soll? Also heißt das irgendwie, ich bete, dass du noch heiliger wirst oder so? Also macht ja keinen Sinn, Gott ist ja schon heilig. Die Bibel ist da ziemlich klar. Gottes Heiligkeit ist absolut, vollkommen, unsteigerbar. Das machen wir nicht höher oder weniger, da können wir gar nichts dran kratzen. Worum geht es hier? Geheiligt werde dein Name. Es geht darum, dass wir immer mehr begreifen und anerkennen, dass Gott wirklich dieser Heilige ist. Dass er mehr ist als wir. Dass er wichtiger ist als wir. Geheiligt werde dein Name. Ich weiß nicht, mit welchen Gedanken du heute Morgen aufgestanden bist. Oh, was plane ich heute so? Wie wird der Sonntag? Wie hat man sein Zeitmanagement im Griff? Wo liegt meine Brille oder mein Zahnbürst? Ist ja egal. Ja, stell dir vor, du würdest jeden Morgen aufstehen und dein erster Gedanke wäre eben nicht, wie wird mein Tag, sondern dein erster Gedanke wäre, hey, wie kann ich Gott heute ehren? Wie kann Gott heute durch mein Verhalten positiv gesehen werden in der Welt? Wie kann mein Herz ihm zeigen, wie sehr ich ihn liebe? Wie kann ich ihm Freude beweisen? Wie kann mein Leben auf ihn verweisen, dass andere denken, dann will ich den Gott kennen. Ich behaupte, jeder von uns würde mit einer völlig anderen Einstellung zur Arbeit gehen. Sonntags meistens nicht, aber unter der Woche. Mit einer völlig anderen Einstellung sich um Haushalt und Familie oder was auch immer kümmern. Wenn es nicht mehr darum geht, wie kriege ich mein Geschäft los, sondern wie kann ich Gott ehren. Durch alles, was ich tue, geheiligt werde dein Name. Andere Seite der Medaille, geheiligt werde dein Name, bedeutet natürlich auch, nicht geheiligt werde mein Name. Also er soll groß rauskommen, ich nicht unbedingt. Das ist so ähnlich wie was Johannes der Täufer damals über die öffentliche Bekanntheit von Jesus gesagt hat. Dann ist 3 Vers 30, ich liebe diesen Vers. Die beschweren sich bei ihm, Jesus kommt so wichtig und alle laufen eben nach. Er, Doch Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Ja, Jesus ist halt auch wichtiger als ich. Heiliger, um den geht's. Geheiligt werde dein Name, nicht meiner. Im Grunde ist es völlig egal, ob ich gesehen werde, gewertschätzt werde. Ob man mir sagt, wie toll ich bin, solange Jesus durch mich gesehen wird. Hier im F4 ist unsere Jugendarbeit durch den EC organisiert und da gibt es seit vielen Jahren dieses wunderbare Motto, was das auch ein bisschen aufgreift. Alles zur Ehre unseres Herrn. Alles. Mein Zähneputzen, mein Haushalt, was auch immer ansteht. Und ich finde dieses Motto, das klingt immer so mega. Dann hast du irgendwie Mitgliederaufnahmen beim EC und dann steht man vorne und alles zur Ehre. Also richtig, wie soll man sagen, pathetisch oder so, sehr, sehr fulminant. Es klingt so mega, aber in der Realität ist es nicht das, was wir aus uns heraus fühlen. Also viele von euch, die sind schon längers dabei, die kennen das Motto, das ist richtig. Ja, warum lebt er nicht so? Also wir fühlen es nicht. Genau deshalb sagt Jesus, sollen wir darum bitten. Als allererstes. Geheiligt werde dein Name. Wie kann das für uns heute aussehen? Wir sollen die Worte ja adaptieren, zu unseren Worten machen. Wir können zum Beispiel sagen, Herr, du kennst mein Herz. Und du weißt, da steckt so viel anderes drin, was so schnell wichtiger wird als du. Hilf mir heute, der Tag steht vor uns. Hilf mir, dich an die erste Stelle zu setzen. Hilf mir, deinen Namen heute mehr zu lieben als meinen Erfolg. Dich mehr zu suchen als die Anerkennung anderer. Dich mehr zu fürchten, respektieren, respektvoll zu begegnen, als dass es mir wichtig ist, was Leute für Meinungen über mich haben. Ich weiß, mein Herz fühlt es nicht und deswegen verändere du es. Richtet du mein Herz und dadurch mein ganzes Beten, wir fangen ja so an zu beten, richtet du mein Beten darauf aus, dich zu ehren, deine Ehre zum Wichtigsten zu machen. Jesus redet zu seinen Jüngern, ach, ihr wollt also lernen, wie man richtig betet, dann ist das die erste Lektion. Dass Gott selber unsere Herzen dafür neu anordnen muss. Und ich glaube, das kann seine Zeit brauchen oder auch immer mal wieder seine Zeit brauchen. Wie wichtig ist das dir? Wie selbstverständlich kommt das dir? Wenn du so bist wie ich, weißt du, es stimmt, aber es kommt ganz sicher nicht von allein. Ihr seht hier vorne diesen hübschen großen Würfel, wie gesagt, sechs Seiten, hat offensichtlich was mit der Predigtreihe zu tun. Auf jeder Seite stehen für jede Einheit dieser Predigtreihe zwei Begriffe, zwei Worte. Ich sage mal als Kurzzusammenfassung, in der Hoffnung, dass ihr die mitnehmt und in eurem Beten überlegt, welche Rolle hat es? Habe ich das mit drin überhaupt? Also es geht nicht um die Worte, sondern um den Inhalt, den die vermitteln soll. Es sind Leitbegriffe, von denen wir uns wünschen, dass ihr sie in euer Gebetsleben integriert. Für heute, passend auch zu all den Ledern, zum ganzen Thema, dein Name, sein Name. Jesus beginnt das Vaterunser, so sollen wir beten, mit Vater. Das ist seine Anrede. Und er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieser Vater, der Name dieses Vaters, das ist das gleiche im rechten Denken, geehrt wird. Denk doch in deinen nächsten Gebeten mal ganz bewusst darüber nach. Bete das. Vater, bitte, zeig mir, wie dein Name durch mein Leben geehrt werden kann. Silvian hat vorher gesagt, er lernt gerne Psalmworte auswendig. Psalm 86, Vers 11, mein Schlusswort. Und richte mein Herz auf das eine, dass ich deinen Namen fürchte. Amen. Nein, wir lassen Zeit für, nennen wir es stilles Gebet, stille Eindacht, wo du mit Gott reden kannst, dann schließe ich von hier vorne mit einem Gebet ab und danach beten wir zusammen, das Vaterunser schön, langsam, hoffentlich verinnerlicht. Kurze Zeit, Herr Stig. Herr, hilf uns neu zu staunen über dich über deine Größe und deine Liebe du bist der liebende Vater der sich nach uns sehnt der uns geschaffen hat. Engel staunen, wenn sie sehen, wie jedes zusammenpassen kann. Du, der Allmächtige, kommst zu uns, das in Jesus Mensch sichtbar, zugänglich. Herr, lass uns staunen, ergriffen darüber sein, dass wir dich Vater nennen dürfen. Herr, du siehst uns ins Herz hinein und weißt, wie viel Dunkles da auch oft drin steckt. Wie viel Zweifel, wie viel Sorgen, wie viel Selbstbezogenheit. Herr, weil du mein Vater bist, will ich es offen vor dich ausbreiten. Du darfst das alles sehen, denn du kennst es sowieso. Ich weiß, es kann deine Liebe in keinster Weise zurückdringen, kleiner machen oder verhindern. Du siehst mich mit meinem Versagen, mit meinem schwachen kleinen Popelglauben. Doch in deiner Liebe erhebst du mich und sagst Sohn oder Tochter. Herr, ich danke dir für dieses wunderbare Gebet. Und ich weiß, wir werden da nie ganz ankommen, aber vielleicht schrittlosweise immer weiterkommen. Lehre uns, beten jeden Einzelnen. Schön, dass wir damit anfangen. Sei du mit deinem Geist der, der uns die Augen dafür öffnet, wie wunderbar du bist. Löste uns von unserem Stolz, unserer Selbstbezogenheit, unserem gierigen Denken, wir selber müssten alles im Griff haben. Herr, du bist so viel größer, dein Name ist so viel größer. Herr, ich will, dass du zum Wichtigsten wirst Ich will, dass deine Ehre den ersten Platz bekommt, Und Herr, ich bitte dich, bewirke du es In mir und in unser aller Herz, wenn wir das denn wollen Danke, danke, danke auch für dieses Gebet. So beten wir es jetzt gemeinsam. Vater, unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld. Doch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns. von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.