Mark Bühner - Die Seligpreisungen | Die größte Predigt aller Zeiten (Teil 1 von 8)
14.01.2026 30 min F4 Schwaigern, Mark Bühner
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Transkript
So, ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid alle wach. Denn die Bergpredigt ist wirklich
was Superspannendes. Die größte Predigt aller Zeiten.
Und anders als Gregor Gysi ist das Anliegen, das wir hier dahinter haben,
wir wollen lernen, was Jesus sagt.
Also nicht nur einzelne Episoden irgendwie aufgreifen und die dann zu dem münzen,
was ich eh als politische Stellungnahme sagen möchte, sondern unser neues Jahresthema
Lernen vom Besten ist das, was hier dahinter steckt.
Der Beste, der Meister, bei dem wir in die Schule gehen wollen,
ist Jesus Christus selber.
Und das ist nun mal seine große Predigt, die Bergpredigt.
Das berühmteste und längste, was Jesus gesagt hat, was uns heute noch so erhalten geblieben ist.
Im Matthäus-Evangelium sind das ganze drei Kapitel, die Kapitel 5 bis 7,
mit insgesamt 111 Versen.
Das bedeutet, heute wollen wir ja drüber reden, wenn ich jetzt anfange,
das alles am Stück vorzulesen, bin ich nach frühestens nach Viertelstunde fertig.
Also das ist wirklich eine ganze Menge an Masse und Katrin hat es schon gesagt,
unterschiedlichste Arten von Texten, die da mit drin sind.
Ich habe euch mal so einen ganz, ganz groben Überblick mitgebracht.
Man könnte das noch viel, viel feiner gliedern.
Der eine merkt vielleicht, okay, das habe ich schon mal gehört,
das schon mal. Die andere Sache kenne ich gar nicht.
Ganz viel unterschiedliches Zeug mit ganz vielen verschiedenen Schwerpunkten.
Super herausfordernd. Es gibt wahrscheinlich so in der Kirchengeschichte keinen
zweiten Bibeltext, von dem man sagen könnte, der hat mehr ausgelöst,
mehr Sprengkraft gehabt als dieser Text.
Jesus bringt einen Hammer nach dem nächsten und am Ende steht da,
die Leute sind ganz schön verwirrt.
Also die hören sich das an und denken, wie wollen wir das denn machen?
Wie wollen wir denn damit jetzt umgehen können?
Und deswegen die Bergpredigt ist ganz sicher keine, ich sag mal, erbauliche Predigt.
Also Jesus redet das nicht und die Leute denken, das geht runter wie Öl oder so.
Sondern die waren ganz schön herausgefordert. Das ist nichts,
wo uns freundlich über den Kopf streichelt und sagt, du bist okay.
Ich bin okay. Ist doch schön, dass wir hier sind. Lass uns bleiben,
wie wir sind, dann ist an jeden gedacht, alles ist toll.
Sondern schon eher das Gegenteil. Wir lesen diesen Text und an allen Ecken und
Enden merken wir, okay, wenn ich das mache, das hat wirklich Auswirkungen.
Wir sind konfrontiert, vor allem auch, wie sehr du und ich dem nicht entsprechen.
Was Jesus hier präsentiert. Immer wieder stehen wir da und merken,
okay, da habe ich echt noch einen weiten Weg vor mir, um so zu werden,
wie Jesus uns anscheinend haben möchte.
Und weil das echt super frustrierend sein kann, wir wollen ja auch gar nicht,
dass wir konfrontiert werden mit Sachen, die irgendwie unangenehm sind.
Deshalb gab es schon immer die einen, die haben versucht, mit allen Tricks und
Kniffs diese Wucht der Bergpredigt irgendwie kaputt zu machen.
Das ist alles nicht so gemeint.
Ja, da hat Jesus halt einen wilden Tag gehabt oder so.
Irgendwie, das muss man doch alles beschönigen, das stimmt doch alles gar nicht.
Und es gab die anderen, die gesagt haben, na dann kannst du jeden Bibeltext
dir ja auch so hindrehen, wie du den haben möchtest.
Wollen wir jetzt lernen, uns herausfordern lassen oder nicht?
Lasst uns diese Lehre von Jesus auch mal aushalten, auch da,
wo diese Spannung besteht.
Und das muss natürlich besonders da gelten, wo es Texte sind, die uns was zumuten.
Und ich würde sagen, das werden wir heute auf jeden Fall auch haben.
Wir fangen mal ganz vorne an.
Matthäus 5, die ersten zwei Verse, dann haben wir auch die Hinführung.
Da steht, als er, also Jesus, aber die Volksmenge sah, ganz viele Menschen um
ihn rum, stieg er auf einen Berg und als er sich gesetzt hatte,
traten seine Jünger zu ihm und er tat seinen Mund auf und lehrte sie.
Diese kleine Einleitung wird super gerne überlesen, ist aber total wichtig.
Da kommt ganz viel historischer Kontext mit rein, weil aus diesen zwei Versen
wird deutlich, zu wem redet Jesus eigentlich.
Also zig Leute sind da, die finden das alles spannend, der ist irgendwie ein
Wunderheiler und was der da so alles macht.
Er geht auf diesen Berg, er setzt sich, so haben das damals die Rabbiner,
also die Lehrer gemacht, die jüdischen, wenn sie ihre eigenen Jünger belehrt haben.
Und da steht es ja auch, die Jünger setzen sich drumherum, die Jünger hören
ihm zu und außenrum ist dann quasi der erweiterte Zirkel.
Das sind dann so die einfachen Menschen, die halt sich vielleicht für interessieren,
vielleicht nach fünf Minuten weiterlaufen, vielleicht auch nicht.
Zu wem redet Jesus? Nicht zuerst zum Volk, sondern zu seinen Jüngern.
Und das bedeutet, die komplette Bergpredigt, also all diese verschiedenen Texte
Anfang bis Ende, ist nicht irgendwie eine allgemeine Lebensweisheit,
die gilt halt für jeden, der irgendwie zuhört.
Das ist auch das Problem, was Gregor Gysi hat, weil wenn du den christlichen
Kontext wegstreichst, passt das überhaupt nicht mehr, ist es gar nicht mehr umsetzbar.
Sondern Jesus redet hier zu Menschen und für Menschen, die an ihn glauben, zu seinen Jüngern.
Seit der Apostelgeschichte würden wir sagen, er redet zu Christen.
Menschen, die Jesus als ihren Herrn und Meister, von dem sie lernen wollen,
akzeptieren. Und sagen, das ist mein Retter.
Wie gesagt, damals haben das viele Rabbiner so gemacht, dass die sich hingesetzt
haben. Man kann da ganz viel jüdischen Kontext drüberlegen und merkt, das passt total.
Jesus gibt sich genauso wie damals die Rabbiner halt.
Aber der Inhalt seiner Rede ist ein ganz anderer.
Ihr werdet noch sehen, das ist super wichtig, bei all diesen verschiedenen Teilen
der Bergpredigt, immer wieder sich diese Zielgruppe klarzumachen.
Damit man das nicht missversteht, was er sagt.
Ganz besonders für den Text heute. Wir fangen einfach vorne an.
Es gibt ja noch mehrere Teile in dieser Reihe. Heute geht es um die Seligpreisungen.
Habt ihr bestimmt schon mal gehört.
Zehn Verse in der Bibel, die stehen ganz am Anfang. Und in denen beschreibt
Jesus, wie er sich das so vorstellt. Ihr, meine Jünger, ihr wollt wissen, worum es geht.
Wenn ihr zu mir kommt, das gilt für euch.
So stelle ich mir ein Leben meiner Nachfolger vor. Und schon gleich der erste
Satz muss ein Paukenschlag gewesen sein. Auch für die Jünger.
Jesus sagt, selig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Himmelreich.
Früher als Kind habe ich gedacht, selig meint irgendwie, die kommen in den Himmel oder so.
Also selig im Sinne von die Oma, Gott hab sie selig.
Das meint eigentlich glückselig, das meint überaus glücklich.
Also all diese Verse wollen sagen, hier hast du Glück, da hast du Freude.
Das ist das, wofür du eigentlich gedacht bist.
Selig sind die geistlich Armen.
Das sind Menschen, gibt es auch in anderen jüdischen Texten,
die in religiöser oder spiritueller Hinsicht nichts drauf haben.
Also in allem, was man so an geistlicher Leistung zu bringen vermag,
Mensch bist ein toller Beter, Mensch hast viel Ahnung, Mensch bist du ein frommer
Typ, das ist das Gegenteil.
Selig sind die geistlich Armen. Vielleicht das Gegenteil von dem,
was du und ich gern hätten.
Oder wir wollen doch jetzt nicht die Deppen sein, sondern die, die es drauf haben.
Wir wünschen uns doch, gerade eben haben wir es noch gesungen,
ein Lied, das für Gott was bedeutet und so.
Wir wünschen uns doch, dass Gott irgendwann mal zu uns sagt, toll gemacht.
Du bist klasse, so wie du deinen Glauben lebst, du bist ein guter Christ,
so jemand wie du mit all dem, was du vorzuweisen hast, herzlich gerne,
komm in meine Arme, dich lasse ich gerne zu mir in den Himmel, in das Himmelreich.
Und so ähnlich haben das auch viele andere Rabbiner gemacht.
Also diese Seligpreisung ist nicht eine Erfindung von Jesus.
Es gab auch andere, die gesagt haben, selig seid ihr, wenn ihr das macht und das macht und das macht.
Selig sind die geistlich Armen. Jesus will sagen, Leute, bei mir funktioniert
das mit dem Glauben und mit der Leistung im Glauben genau andersrum.
Wer mir nachfolgen will, von Herzen glücklich werden will, der muss zuerst begreifen,
du hast gar nichts zu bringen.
Du hast Gott nichts vorzuweisen.
Du bist nicht einer von den Guten, fast schon auf der Stufe da oben.
Du bist niemand, der sich moralisch irgendwas auf sein Leben einbilden kann,
sondern vor Gott, in Gottes Augen bist du klein, schwach, arm, unwürdig.
Du stellst dich nicht hin und sagst, ja klar, bei mir passt das.
Du hast Gott nichts zu bieten, sondern das Gegenteil ist der Fall.
Du verdienst es nicht, durch das, wer du bist und wie du lebst, bei Gott zu sein.
Also das ist der Hammer. Die Jünger wollen gut sein und Jesus sagt,
erkenne erstmal, dass du nicht gut bist.
Jesus will sagen, solange du dir das nicht selbst eingestehst,
und das ist ja schon auch für die Ehre ein Knicks, ne?
Solange du dir nicht selbst eingestehst, dass du geistlich arm bist,
Kannst du nicht mein Jünger sein? Passt das zwischen uns nicht?
Denn nur wer um seine eigene Hilflosigkeit, den geistlichen Dingen weiß,
ist in der Lage, das anzunehmen, was meine Lehre ist, was ich euch heute beibringen will.
Man würde sagen, das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus,
kann der annehmen, der weiß, ich habe nichts, meine Hände sind leer.
Und Gott, du allein kannst sie mir füllen. Dieser Einstieg ist ganz wichtig,
weil es auch in gewisser Weise die Voraussetzung ist für die nächsten Seligpreisungen
gleich. Es geht weiter, wir haben einiges vor uns.
Selig sind die Leidtragen, denn sie werden getröstet werden.
Wir erinnern uns, Jesus redet immer noch vom Leben der Gläubigen.
Also er sagt nicht, Leid ist was Gutes, also wie schön, wenn es uns schlecht
geht, sondern er sagt, du bist ein Jünger, du bist ein Christ,
du gehörst zu mir. Bei mir ist es anders.
Selig sind die Leidtragen. Jesus sagt, verzweifelt nicht, wenn ihr zu mir gehört,
wenn ihr in diesem Leben schlimme Dinge erlebt.
Und heute sitzen Leute hier, die haben schlimme Dinge erlebt.
Es ist was ganz anderes, mit der Perspektive als Christ auf Leid zu schauen
oder mit der Perspektive ohne Gott.
Jesus will sagen, meine lieben Jünger, ihr wisst es zwar noch nicht,
aber durch mich, bei mir, bricht ein völlig neues Zeitalter an.
Und für jeden Christen werden die Tore des Himmels offen stehen.
Da wird ein Trost sein, der so viel größer ist als alles, was ihr euch vorstellen könnt.
Also freut euch, glückselig, freut euch, wenn ihr zu mir gehört, selbst ihm leid.
Erkennt, Paulus schreibt es mal ein paar Jahre später.
Dass dieser Weltleiden, so sagt er, nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit.
Das ist jetzt Römerbrief, Römer 8.
Gegenüber der Herrlichkeit, die im Himmel mal auf uns wartet.
Diese Perspektive, die sich völlig ändert. Also wieder was. Die Leute stehen
da und für die ist Leid was Schlimmes. Logisch, für uns auch.
Aber für die ist es auch geistlich was Schlimmes. Jemand, dem schlimme Dinge
passieren, der war bestimmt böse. Und Jesus sagt, ne.
Wer zu mir gehört, bekommt einen völlig neuen Zugang zu schrecklichen Dingen
in dieser Welt. Denn bei mir ist Trost, bei mir ist Ewigkeit,
bei mir ist Hoffnung, die so viel größer ist.
Jesus predigt weiter. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Sanftmut, das meint in der Bibel die Fähigkeit, ganz bewusst auf Gewalt und
Zorn und Wut und so zu verzichten, obwohl andere sich mies dir gegenüber verhalten.
Also dir tut jemand Unrecht, du hättest jetzt das Gefühl, ich darf auch aufbrausend
sein, Aber du hast diese Fähigkeit, trotzdem friedlich zu bleiben,
ruhig zu bleiben, liebevoll zu sein.
Wir wissen, unter den Jüngern von Jesus waren auch ein paar Leute,
die waren durchaus kriegerisch gesinnt.
Die Zeloten, sagt man, so eine militärische Untergrundwiderstandskämpfergruppe,
die wollten die Römer vertreiben und haben sich gedacht, wenn wir das mit Gewalt
tun, dann bricht endlich das Friedensreich ein, was so die Propheten gesagt haben.
Für die muss so ein Satz richtig schlimm gewesen sein.
Also ehrlich sind die Sanftmütigen. Die, die die Römer machen lassen und ihnen
keine reinschlagen und nicht von hinten mit dem Messer kommen.
Glücklich ist der, der sich nicht verbittern lässt von Unrecht,
von Mist, das dir passiert, auch nicht durch die Römer.
Versucht nicht, euch an ihn zu rächen, darum geht es später auch nochmal in
der Bergpredigt, sondern bleibe sanftmütig, ruhig, friedlich.
Ich finde, das ist so ein erster Hinweis. Jesus verpackt ja schon ganz viel
von seiner großen Botschaft, die er später mehr entfaltet.
Denn ein erster Hinweis darauf, dass dieses Reich des Friedens,
von dem er auch redet, das bricht jetzt an durch mich, anders ist,
als die Leute es sich erwarten.
Dass es nicht mit Waffengewalt erkämpft werden muss, so wie viele Juden das dachten,
sondern es bricht an durch eine Liebe, die aushält, die durchhält,
obwohl Unrecht an ihr passiert, friedlich ein Weg geht bis zum Kreuz.
Also Jesus selbst ist der Inbegriff von Sanftmut.
Dem so viel Unrecht passiert und er sagt, ich halte das aus.
Aus Liebe, ich gehe bis ans Kreuz.
Spannend übrigens auch vom Neuen Testament her, für die, die da sich mehr auskennen,
im Galaterbrief ist es auch eine Frucht des Geistes.
Also der Geist will das in uns bewirken, dass wir Unrecht nicht immer gleich
mit der Faust beantworten, sondern sagen, so wie Jesus können auch wir das lernen.
Wie gesagt, heute wird euch viel zugemutet. Es geht weiter. Jesus ist noch nicht
fertig. Der nächste Hammer.
Selig sind die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.
Das ist auf jeden Fall ein Satz, der in der Gysi, das würde dem auch gefallen.
Gerechtigkeit und so. Nur der Kontext, der interessiert ihn nicht.
Man muss wissen, jüdischen Denken ist Gerechtigkeit nicht wie für uns heute
so ein primär philosophischer oder juristischer Ausdruck, Sondern Gerechtigkeit
in der Bibel meint vielmehr eine bereinigte Beziehung zu Gott.
Bei Luther kennt man das. Er hat immer darum gerungen, wie kann ich gerecht
werden vor Gott? Wie kann diese Gerechtigkeit endlich gelten?
Es geht Jesus hier von seinem Kontext her. Es geht um den Glauben.
Es geht ihm nicht um die Bekämpfung von Bandenkriminalität oder um die korrupten
Richter in Israel endlich zu entmündigen und rauszuschmeißen. zu schmeißen.
Es geht ihm um Menschen, die sagen, ich tue alles dafür, um diese Hindernisse
zwischen Gott und mir auszuräumen.
Das ist die Gerechtigkeit.
In anderen Worten, und das gilt auch uns, Jesus sagt, jeder,
jeder, der sich von Herzen danach sehnt, mit Gott ins Reine zu kommen, freu dich.
Sei außer dir vor Freude, denn das ist jetzt möglich.
Das gibt es bei mir. Ich bin der, der diesen Hunger stillen möchte.
Du sehnst dich danach und ich sage, jawohl, durch mich bricht das an.
Kennt ihr vielleicht auch diesen anderen Versen, wo Jesus sagt,
ich bin das Brot des Lebens und so. Also ich mache dich für immer satt,
wenn du dich mir anvertraust.
Ich sorge für diese Gerechtigkeit.
Freu dich. Jetzt ist sie da.
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.
Was meint Barmherzigkeit?
Ein paar Gedanken, können wir ein bisschen drüber nachdenken. Barmherzigkeit, ja.
Das meint, jemand hat ein Herz für Schwache, für das Kaputte,
für Arme, für Kranke, für gesellschaftlich Verachtete, für Ausgestoßene.
Also die bringen mir keinen Vorteil, aber ich kümmere mich trotzdem um die.
Ich merke, das ist mein Auftrag.
Jemand hat mal gesagt, also aus strategischer Sicht ist es ziemlich dumm,
sich um Menschen zu kümmern, die kaputt sind oder die irgendwie Probleme haben,
weil die können dir das ja in dieser Form nicht zurückgeben.
Auch wirtschaftlich gesehen ist es in der Regel ein Verlustgeschäft,
in Menschen zu investieren, die am Boden liegen.
Doch schon immer haben Christen sich dadurch ausgezeichnet, dass das ihnen egal war.
Und dass sie gesagt haben, so wie Jesus zu den Armen und Ausgestoßenen geht,
machen wir das auch. Wir setzen uns ein für die Ausgestoßenen in der Gesellschaft.
Und das hatte immer schon zwei Gründe. Nämlich erstens das christliche Menschenbild.
Also Christen wissen von der Bibel her, der Wert des Menschen bemisst sich nicht
an dem, was dir zustande bringt im Leben.
Sondern jeder ist von Gott geliebt, ausnahmslos.
Also darf ich dem auch mit Würde begegnen.
Und zweitens, weil Gott uns gegenüber barmherzig ist.
Ich weiß nicht, wie klar das jedem von uns heute ist. Aber wenn du sagst,
ich bin Christ, Dann heißt es ja, Gott hat mir vergeben, hat mich in diese glückselig
Preisung hier mit reingenommen. Das darf uns gelten.
Das passiert eben nicht, haben wir ja beim ersten Vers schon gehört,
weil wir so toll sind, weil wir Leistung vorzuweisen haben.
Sondern die Bibel sagt, das ist Gottes Barmherzigkeit.
Also wir sind die Kaputten. Wir sind die Verlorenen.
Und Gott sagt, ich bin dir barmherzig. Dass Jesus für dich ans Kreuz geht,
ist seine Liebe, ist seine Gnade, nicht dein Verdienst.
Und wer das einmal richtig verstanden hat, darum geht es auch in den Seligpreisungen.
Je mehr ich verstehe, wer Jesus ist, was er für mich hat, desto mehr durchdringt
mich das und ich merke, ich kann auch selber nicht anders, als barmherzig zu handeln.
Wenn Gott mir gegenüber so gut ist, wie könnte ich anderen gegenüber,
wo die Differenz viel weniger ist wie zwischen mir und Gott, unbarmherzig sein.
Spannend vielleicht zum Weiter-Nachdenken sind viele Seligpreisungen.
Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
Für den jüdischen Zuhörer schon wieder ein relativ seltsamer Satz,
weil Reinheit, damit können die was anfangen, anders als wir heute.
Das ist in ihrem Denken das ganz große, zentrale Thema, schon das komplette
Alte Testament hindurch.
Diese Leute wussten, unrein zu sein, trennt mich von Gott.
Also das ist das große Problem, das wir Menschen haben. Und das komplette Alte
Testament dreht sich um die Frage,
wie können wir das mit der Unreinheit irgendwie in den Griff kriegen.
Da gibt es dann so Reinheitsvorschriften und Opferrituale und so.
Wie kann ich mich vor Gott reinigen, damit das wieder passt?
Ein reines Herz zu haben bedeutet also nicht, du hast keine versauten Gedanken
oder irgendwie so, sondern das bedeutet, deine Beziehung zu Gott ist wieder
vollkommen hergestellt.
Und für jeden Juden ist klar, das Herz ist ein trügerisches Ding.
Das funktioniert nicht, das macht nicht immer, was ich will.
Ein reines Herz kann ich zwar wollen, aber ich kann es nicht selber machen.
Nur Gott kann diese Schuld, diese Unreinheit wegnehmen und mein kaputtes,
verdorbenes Herz wiederherstellen.
Deshalb bitte zum Beispiel der König David im Psalm 51, diesen begrünten Vers,
schaffe in mir Gott ein reines Herz.
Gib mir einen neuen beständigen Geist. Also der wusste, ich kann das nicht selber
machen. Gott, bewirke du es in mir.
Und wieder, Jesus deutet an, dass diese ewige Suche nach einem reinen Herzen,
nach der Beziehung zu Gott, dass das endlich wieder läuft, bei ihm in seiner
Nachfolge gestillt werden kann.
Gott wird tatsächlich das tun, worum David ihn hier gebeten hat.
Gott wird reine Herzen schaffen durch Jesus, durch das Kreuz.
Und jeder, der sich auf diese Weise mit Gott versöhnen lässt,
wird genau das erleben, was Jesus hier sagt.
Sie werden Gott sehen.
Zwei haben wir noch. Selig sind die Friedenstiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Das ist wieder so ein Gysi-Vers. Einer der vielen Verse aus der Werkpredigt,
die manche politische Gruppen bis heute offensichtlich völlig aus dem Kontext
rausreißen und auch falsch anwenden, weil ihnen dieser Hintergrund fehlt.
Auf einmal wird Jesus zu einem politischen Friedensaktivisten degradiert.
Also Frieden ist gut, aber es geht Jesus hier um viel, viel mehr.
Jesus redet schon die ganze Zeit nicht über politische und soziale Programme,
wie gesagt zum ganzen Volk, sondern zu seinen Jüngern, zu denen,
die seine Lehre hören wollen, die an ihn glauben.
Er versucht zu beschreiben, was erwartet einen Menschen, der sich auf mich einlässt,
der mit mir ein Leben lebt.
Und deswegen geht es auch hier nicht zuerst um den Frieden zwischen Menschen,
sondern um den Frieden, der im Alten Testament das Zentrale ist, der Friede mit Gott.
Jesus sagt, wer durch mich Frieden mit Gott bekommt, der wird Kind Gottes.
Das ist das mit Abstand Größte und Wichtigste, was es geben kann.
Und nochmal, genau das ist das Denken, was die Juden hier hatten.
Im alten Testament Frieden, das ist immer zuerst diese göttliche Perspektive.
Bei Jesus gibt es einen Frieden, sagt die Bibel, der allen Verstand übersteigt
und der einen Menschen unabhängig von den ihn umgebenden Umständen glückselig
machen kann. zum glücklichsten Menschen der Welt machen kann.
Und jetzt ist logisch, das wirkt sich auch aus auf den Frieden untereinander.
Ist ja nicht so, als gäbe es das gar nicht. Aber die Wurzel liegt tiefer.
Es geht nicht darum, verhalte dich quellig, schmal friedlich.
Versteht ihr? Mach endlich mal was.
Sondern es geht darum, empfange diesen Frieden. Und du wirst sehen,
wie es sich auswirkt durch dein ganzes Leben hindurch.
Wenn Gott mit dir so liebevoll umgeht, er diesen Frieden schafft,
dann kannst du auch Frieden mit deinen Mitmenschen haben.
Denn wie könntest du anderen gegenüber kleinlich sein, nachtragend sein und
nach 100 Jahren immer noch sagen, du hast aber damals, wenn du wirklich verstanden
hast, wie Jesus Frieden mit Gott schafft, den du nicht verdient hast.
Selig sind die Friedenstiften. Und damit sind wir bei der letzten Seligpreisung angekommen?
Wer kann noch? Oder wer kann nicht mehr?
Die ist nicht umsonst hinten. So einen ganz klassischen Aufbau hier.
Ganz schön herausfordernd. Jesus sagt tatsächlich folgenden Satz.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.
Denn ihrer ist das Himmelreich. Also freut euch, wenn das passiert.
Wir hatten es vorhin schon davon. Gerechtigkeit in der Bibel meint immer zuerst
die Beziehung eines Menschen Gott gegenüber.
Seit Himmelfahrt predigen Christen von der Gerechtigkeit, die Gott bewirkt durch Jesus.
Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, sagt Luther. Und dafür werden sie verfolgt.
Von den zwölf Aposteln, von denen die meisten hier wahrscheinlich auch mit dabei
sitzen durften, wurde jeder Einzelne außer Johannes für seinen Glauben getötet.
Also die haben das am eigenen Leib erlebt.
Bei Johannes haben sie es auch ein paar Mal versucht, ihn zu töten.
Es hat nur nicht funktioniert. Also es ist nicht, als hätte der gar nichts gehabt.
Er hat es dummerweise jedes Mal überlebt, diese ganzen Foltermethoden.
Und jetzt sagt Jesus, selig seid ihr, freut euch, wenn sowas passiert,
eurer ist das Himmelreich.
Ihr merkt, die Themen überlappen sich viel mehr, als man am Anfang dachte.
Schon immer war es die Hoffnung auf den Himmel, die Christen in der Verfolgung
geholfen hat, sich klarzumachen, dafür lebe ich, dafür tue ich es.
Das ist seine Kraft dahinter, warum ich treu bleiben kann. Und weil diese letzte
Seligpreisung natürlich besonders herausfordernd ist, schwer zu verdauen ist,
hängt Jesus nochmal zwei Verse hinten an, in denen er diese Seligpreisung konkretisiert.
Verse 11 und 12. Und dann haben wir Schluss mit Bibeltext. Er sagt,
selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinet Willen schmähen und verfolgen
und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.
Freut euch und jubelt, denn es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.
Denn genau so haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind.
Propheten sind Menschen, die das weitergeben, was Gott gesagt hat.
Und jeder, der diese Lehre von Jesus weitergibt, ist dadurch auch eine Art von Prophet.
Können wir mal anders ausdifferenzieren. Das sind auf jeden Fall ziemlich heftige Aussagen.
Und wir müssen uns klar machen, das ist ja ganz am Anfang. Also da ist noch
nichts mit Verfolgung. Die Jünger haben überhaupt keine Ahnung.
Was willst du denn von uns?
So, also, dass das irgendwann später kommt, das wissen die gar nicht.
Dass das mit der Verfolgung sie sehr betreffen wird. Sie haben keine Ahnung.
Das wird irgendwann schmerzhaft real. Jetzt ist es nur theoretisch.
Wie für uns wahrscheinlich auch.
Jetzt ist das erstmal so theoretisch. Naja, wir werden ja nicht verfolgt.
Vielleicht. Bei den Jüngern wird es irgendwann real. Und warum,
finde ich ganz wichtig, sagt Jesus, werden Christen verfolgt werden?
Davor geht es doch darum, was das für Friedensstifter sind, oder?
Und wie nett die sind und barmherzig. Also deswegen verfolgst du doch keinen.
Das kann doch nicht der Grund sein, Christen zu verfolgen, weil die sich so
moralisch integer verhalten.
Jesus sagt nicht wegen eures Benehmens, sondern wegen eurer Positionierung mir gegenüber.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinet Willen schmähen und verfolgen und so weiter.
Das ist was, das bei Jesus von Anfang an auffällt. Es gab damals jede Menge
jüdische Lehrer, die sind auch rumgezogen und die haben den Menschen erklärt,
wie du dich zu verhalten hast, damit du zu Gott kommst.
Also sei so fromm und mach das und lies genug Bibel und so weiter,
halte deine Zeiten ein. Schön.
Jeder von denen hat gesagt, schaut nicht auf mich, schaut auf meine Lehre.
Also tut das, was ich euch sage, dann funktioniert es zwischen euch und Gott.
Und Jesus, und das ärgert die Leute, das merken die auch, sagt andauernd das Gegenteil.
Ihr wollt also wissen, aus welcher Kraft heraus ich Menschen heile.
Ihr wollt also wissen, warum ich hier bin, was meine Botschaft ist,
als dieser Lehrer, der jetzt rumreist.
Denn meine Antwort ist, schaut auf mich.
Nicht irgendeine Lehre, sondern ich. Ich als Person bin der einzige Weg zum Vater.
Es gibt ganz viele Bibelstellen, wo es noch weiter ausdifferenziert.
Ich bin die Wahrheit. Ich bin das Leben.
Also wirklich das Gegenteil von allem, was sei moralisch, lebt so, dann funktioniert es.
Wer an mich glaubt, der darf sich freuen und darf jubeln, selbst wenn scheinbar
die ganze Welt gegen ihn ist, wenn man verfolgt wird und sonst was an Druck bekommt.
Um meinet Willen, weil ihr an mich glaubt, nicht an die Leere,
an mich, werdet ihr angegriffen, geschmäht und verleumdet werden.
Doch lasst euch davon nicht einschüchtern, denn es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.
Und ich finde, wer gut aufgepasst hat, heute war ja sehr, sehr viel Masse,
damit schließt sich so ein bisschen der Kreis von der ersten Seligpreisung bis zur letzten.
Schon ganz am Anfang, die geistlich Armen, hat Jesus klargestellt,
das, was ich euch hier präsentiere, ist keine To-Do-Liste.
Setzt das um, macht das, dann könnt ihr Gott beeindrucken.
Dann passt das alles. Jesus will nicht sagen, Seligpreisung,
das ist ein Leistungsprogramm, durch das du zu mir kommen kannst.
Sondern er will sagen, wenn du zu mir kommst, wenn du mein Jünger bist,
wenn du an mich glaubst, dann ist das das Leben, das dich erwartet.
Versteht ihr den Unterschied? Komm als geistlich Armer.
Komm in dem Bewusstsein, dass du nichts hast von deiner Trennung von Gott.
Ich habe nichts vorzuweisen. und lass dich von mir, dem Sohn Gottes,
in einen völlig neuen Zustand versetzen.
Erlebe, was das heißt, mit mir zu leben. Vor Gott gerecht gesprochen.
Geschenkt mit einem übernatürlichen Frieden, der alle Bereiche meines Lebens beeinflusst.
Mit Sanftmut, weil ich dir sanftmütig bin.
Mit Geduld, mit Barmherzigkeit.
Mit einem durch Gott geschenkt erneuerten Herzen.
Mit einem erfüllt begeisterten Leben, das glücklich losgeht und sagt,
ich möchte mich Gott kompromisslos zur Verfügung stellen, weil schau,
was der für mich getan hat.
Ein Leben, das weiß, mit Jesus zu leben.
Ihm nachzufolgen, ihm treu zu sein, das ist buchstäblich das Glück meines Lebens.
Das ist jedes Opfer wert.
Ich sage Amen.
Lohnt sich das nochmal nachzulesen, nochmal nachzuarbeiten. Das ist das,
was Jesus hier sagen will.
Ich gebe euch eine Minute Zeit, machen wir ja öfters hier so, zum drüber nachdenken.
Vielleicht wollt ihr selber drüber beten. Und dann schließe ich von hier vorne mit einem Gebet ab.
Geliebter Jesus, Du allein bist das Leben, das sich wirklich lohnt.
Du bist der, der unser Leben glücklich und froh und frei machen möchte.
Hilf uns, zu dir zu kommen. Mach uns das klar, dass es nicht unsere Leistung
ist, sondern dein Geschenk.
Und schenk, dass sich das auswirkt in unserem Leben.
Dass wir uns verändern lassen von deiner Liebe, von deiner Gerechtigkeit, von deiner Größe.
Herr, schenk, dass wir nicht bleiben, wie wir sind, sondern durch dich verwandelt werden.
Herr, wir wollen dir nachfolgen. Wir wollen uns nach dir ausrichten.
Nicht aus schlechtem Gewissen heraus, rotes Musch halt noch,
sondern weil du uns so reich beschenkst.
Habt du Dank auch für die Seligpreisung mit all dem, was sie uns herausfordert.
Und schenkt, dass es Wirklichkeit werden darf in unserem Leben.
Denn du bist so, so gut, wir wollen dir folgen. Amen.